1.400 Schadstoffe in 42 Minuten

An der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) wurde eine weltweit einzigartige Methode zur simultanen Bestimmung von über 700 Pilz-Stoffwechselprodukten, 500 Pestiziden, 150 Tierarzneistoffen und 50 Pflanzentoxinen entwickelt – und das in einer rekordverdächtigen Analysenzeit von nur 42 Minuten!

Die neue Analysemethode baut auf einer an der BOKU dem K1 Kompetenzentrum FFoQSI entwickelten Chromatographie / Massenspektrometrie-Plattform auf. Die gleichzeitige Bestimmung unterschiedlicher chemischer Substanzklassen kann künftig das Gesamtbelastungsmuster im Lebensmittel- und Futterbereich besser abbilden. Trotz der großen Anzahl von 1.400 Kontaminanten wie Mykotoxine, Pestizide und andere Rückstände kann eine hohe Wiederholpräzision und Genauigkeit der Messungen gewährleistet werden.

Ein Massenspektrometer im Labor.
©  BOKU

Obwohl die maximalen Konzentrationen für viele Schadstoffe gesetzlich geregelt sind, ist das Wissen über das Auftreten von potentiell toxischen sekundären Stoffwechselprodukten in Lebensmitteln, die z.B. von Pflanzen und Schimmelpilzen produziert werden, sehr gering. „Mehr holistische Ansätze – wie unserer, der möglichst alle Lebensmittelkontaminanten simultan erfasst – liefern dazu wichtige neue Erkenntnisse“, so Univ.-Prof. Dr. Rudolf Krska, Leiter des Instituts für Bioanalytik und Agro-Metabolomics am Department für Agrarbiotechnologie der BOKU, dessen Team schon eine Reihe von neuen maskierten Biotoxinen entdeckt hat. Zudem liefert diese Technologie die Möglichkeit zur Erstellung von Prävalenzdaten von „Schadstoff-Cocktails“ für die Untersuchung von synergistisch toxischen Effekten.

Die neue Methode wurde im Rahmen der Dissertation von Doktorand David Steiner entwickelt und kommt beim FFoQSI Firmenpartner BIOMIN im Rahmen eines Futtermittel-Monitoringprogramms bereits erfolgreich zur Anwendung. Die Betreuer, FFoQSI-Area Leiter und BOKU-Professor Rudolf Krska und Dr. Michael Sulyok haben bereits zahlreiche wissenschaftliche Artikel zu diesem Thema publiziert. Sie gehören zu den meist zitierten Arbeiten in diesem Bereich.

Verdorbene Lebensmittel
© BOKU
Forscher Rudolf Krska
© BOKU

Über den/die Forscher*In

Rudolf Krska, Professor für (Bio-)Analytische Chemie an der BOKU leitet das Institut für Bioanalytik und Agro-Metabolomics am Department IFA-Tulln. Der ehemalige Chef der Lebensmittelforschung bei Health Canada in Ottawa ist außerdem Area Leiter für strategische Innovation am Austrian Competence (K1) Center for Feed, Food, Quality, Safety and Innvovation (ffoqsi.at). Auf Basis des Impacts seiner Artikel im Bereich der Lebensmittelsicherheit ist Rudolf Krska unter mehr als 50.000 AutorInnen weltweit als Nr. 5 gereiht (Quelle: www.expertscape.com/ex/food+safety)