Ablenkung am Steuer hat gravierende Folgen

Ablenkung am Steuer hat schwerwiegende Folgen, wie eine Studie des ÖAMTC in Kooperation mit der MedUni Wien verdeutlichtet.

Im Rahmen der Studie wurden bei allen Tätigkeiten wie dem Hantieren mit Gegenständen, Trinken, Verwendung eines Smartphones und Nutzung des Navis eine gravierende Beeinträchtigung nachgewiesen. Keinen Unterschied machte dabei die Art des Fahrzeuges.

Die Untersuchung fand im Fahrtechnik Zentrum Teesdorf mit 45 jüngeren Proband*innen im Alter von 20 bis 35 statt. Den Proband*innen wurde mitgeteilt, dass es sich um einen Geschwindigkeits-Wettbewerb handle – tatsächlich wurden aber die möglichen Auswirkungen unterschiedlicher Nebentätigkeiten auf das Fahrverhalten und die Verkehrssicherheit von Pkw-, Fahrrad und E-Tretroller- LenkerInnen untersucht.

Selbstüberschätzung ist gefährlich

„Wir haben unsere Proband*innen im Zuge von Testfahrten vor Aufgaben gestellt, die in der Realität häufig durchgeführt werden“, erklärt ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger. „Auch wenn man fit ist, führt jegliche Ablenkung zu Fahrfehlern, neun von zehn Autofahrer*innen wären beispielsweise mit einem plötzlich auftauchenden Hindernis kollidiert.“ Es sei daher notwendig, sich bei der Fahrtüchtigkeit nicht selbst zu überschätzen, im realen Straßenverkehr habe dies oft einen Unfall zur Folge. Selbst banale Sachen wie ein Taschentuch aus dem Handschuhfach zu nehmen ist genauso ablenkend, wie etwas ins Navi zu tippen, so Seidenberger.

Zusätzlich zu den Fahrrunden absolvierten die Proband*innen einen Computertest, mit dem ihre Wachheit, Stimmung und Arbeitsleistung gemessen wurde. Jene, die in der Nacht zuvor schlecht geschlafen oder länger unterwegs gewesen waren, schnitten sehr schlecht ab, erklärt Gerhard Klösch, Schlafforscher von der MedUni Wien. Fahrzeuglenker*innen seien sich aber nur in der Theorie darüber bewusst, welche Ablenkungen gefährlich werden könnten. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass in der Praxis Gefahren durch Ablenkungen am Steuer unterschätzt werden. Die Risiken und möglichen Folgen sollten daher stärker in den Fokus der Aufmerksamkeit von LenkerInnen aller Fahrzeugtypen gerückt werden.

Gerhard Klösch
@ MedUni Wien/Matern

Über den/die Forscher*In

Gerhard Klösch ist Schlaf- und Traumforscher an der Universitätsklinik für Neurologie in Wien. Schwerpunkte: Chronobiologie, Schlaf-Wach-Rythmusstörungen, Physiologie des Träumens, soziale und kulturelle Aspekte von Schlaf/Traum.