Beeinflusst die Antibabypille die Denkfähigkeit?

Die Neurobiologin Belinda Pletzer von der Universität Salzburg erforscht die Wirkung der Antibabypille auf das Gehirn. In einer umfangreichen Studie mit 300 Proband*innen soll festgestellt werden, ob und in welcher Weise dieses Medikament deren Denken beeinflusst.

Seit fast 60 Jahren wird die Anti-Baby-Pille in den westlichen Industrienationen von mehreren 100 Millionen Frauen weltweit verwendet. Kaum ein Medikament wurde so viel beforscht um Gesundheitsrisiken und Nebenwirkungen wie etwa Übelkeit, Gewichtszunahme, depressive Verstimmungen bis hin zu Bluthochdruck und Thrombosen zu reduzieren. Rund 9000 wissenschaftliche Arbeiten zeugen davon. „Frauen unterscheiden sich sehr stark in ihrer Reaktion auf die Einnahme unterschiedlicher Pillen“, sagt Belinda Pletzer. Während sich manche Frauen wohler fühlen, wenn sie die Pille einnehmen, ist bei anderen Frauen genau das Gegenteil der Fall.

Obwohl schon lange bekannt ist, dass die Pille bei manchen Frauen auch psychische Nebenwirkungen haben kann, haben sich bislang nur sehr wenige Arbeiten mit deren Einfluss auf das Gehirn beschäftigt. Belinda Pletzer erforscht erstmals in einem großangelegten Projekt den Einfluss zweier unterschiedlicher Antibabypillen auf das Gehirn.

Pletzer vergleicht Frauen vor, während und nach der Pillen-Einnahme, um zu sehen, ob es Gehirnregionen gibt, die auf die Pilleneinnahme ansprechen und ob dieser Einfluss reversibel ist, wenn die Pille wieder abgesetzt wird. Dabei werden die verschiedenen Pillenarten klar voneinander abgegrenzt, um feststellen zu können, ob unterschiedliche Pillen unterschiedliche Auswirkungen haben. „Wir untersuchen zwei Pillen, die wir als repräsentativ für zwei große Wirkstoffgruppen sehen“, betont Pletzer. Zum einen werden Pillen mit dem Wirkstoff Levonorgestrel mit androgener Wirkung, also einer eher vermännlichenden Wirkung, überprüft und zum anderen Pillen mit dem Wirkstoff Drospirenon, der anti-androgen, also eher verweiblichend wirkt. „Wir vermuten, dass sich diese Wirkstoffe ähnlich wie die körpereigenen Hormone auch auf das Gehirn auswirken.“ Für die Untersuchungen werden mehrere hundert Teilnehmerinnen gesucht. 100 Frauen gelten als Kontrollgruppe und nehmen nichts ein. Jeweils 100 beginnen mit der Einnahme einer der beiden Antibabypillen. Auch Frauen, die eine der beiden Pillen absetzen wollen, sollen untersucht werden. Die Frauen werden dabei mehreren fMRT-Scans an der Christian Doppler Klinik unterzogen. „Wir machen strukturelle und funktionelle Bilder des Gehirns, während sie bestimmte Aufgaben erledigen“, so Pletzer. Die Wissenschaftler beobachten dabei, ob sich die Gehirnstruktur oder Gehirnaktivierung während der verschiedenen kognitiven Aufgaben verändert.

Der Salzburger Spitzenforscherin wurde für ihr Projekt ein Starting Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC) zuerkannt. Die hochkarätige EU-Förderung ist mit 1,5 Mio Euro dotiert. Bei Interesse an der Teilnahme wird um Kontaktaufnahme gebeten: hormon.und.gehirn@gmail.com  

© Kolarik

Über den/die Forscher*In

Belinda Pletzer wurde 1983 in Tirol geboren, ist in Oberösterreich aufgewachsen und lebt in Salzburg. Die vierfache Mutter und vierfache Magistra, sowie zweifache Doktorin studierte an der Universität Salzburg Biologie, Psychologie, Philosophie und Mathematik. Sie verbrachte ein Forschungsjahr an der University of California/Irvine mit Hilfe eines Erwin Schrödinger Stipendiums des Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung (FWF) und ist am Centre for Cognitive Neuroscience der Universität Salzburg tätig.