Beide Eltern im Home-Office: Wer kümmert sich um Haushalt und Kinder?

Partnerschaftliche Arbeitsteilung ist in Österreich noch immer ein Wunschprogramm: Hausarbeit, Kinderbetreuung oder Pflege von älteren Menschen werden vorwiegend von Frauen geleistet. Ändert sich daran etwas, wenn beide Elternteile, wie während der Corona-Maßnahmen, im Home-Office sind? WU Forscherin Katharina Mader ging dieser Frage nach.

Die Coronapandemie erforderte von vielen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern den Umstieg ins „Homeoffice“. Vielfach sorgte dieser für Überlastungen – insbesondere, wenn zeitgleich Kinderbetreuung und andere Pflegetätigkeiten erforderlich waren. Ein Team rund um Wissenschaftlerin Katharina Mader von der Wirtschaftsuniversität Wien untersuchte während des strikten Ausgangsbeschränkungen in Österreich nun, wie sich das Arbeiten im Homeoffice auf die Arbeitsverteilung in Haushalten auswirkt. Dabei zeigte sich: Die Arbeitszeit erhöhte sich durch Mehrfachbelastungen, an der Verteilung zwischen Paaren änderte sich allerdings nichts.

Welche Tätigkeit ist wieviel wert?

Partnerschaftliche Arbeitsteilung ist in Österreich oftmals noch immer ein Wunschprogramm: Hausarbeit, Kinderbetreuung oder Pflege von älteren Menschen werden vorwiegend von Frauen geleistet. Ändert sich daran etwas, wenn beide Elternteile, wie während der Corona-Maßnahmen, im Homeoffice sind? Dieser Frage gingen Katharina Mader, Wissenschaftlerin am Institut für Heterodoxe Ökonomie der Wirtschaftsuniversität Wien, und ihr Team gemeinsam mit der Arbeiterkammer Wien nach. Die Projektleiterin erklärt: „Die Zeit der Ausgangsbeschränkungen bedeutete für viele Menschen Stress und Überlastung. Viele Streitigkeiten in Partnerschaften entstanden rund um die Wertschätzung von Kinderbetreuung und Hausarbeit als Arbeit versus Homeoffice als Arbeit. Im Mittepunkt des Konflikts waren Fragen wie ‚Welche Tätigkeit ist wieviel wert?‘ und ‚Wer darf bzw. muss deshalb wie viele Stunden am Tag erwerbstätig sein?‘“

Traditionelle Rollenbilder bei Paaren mit Kindern

Für ihre Untersuchung befragten die Forscherinnen über 2.100 Menschen in Österreich. Die Ergebnisse zeigen u.a.: Am meisten unbezahlt arbeiten Frauen in Paarhaushalten mit Kindern – sie kommen auf gleich 9 ½ von insgesamt 14 ½ Arbeitsstunden. Die Väter in Paarhaushalten arbeiteten im Vergleich dazu täglich etwa 30 Minuten weniger, sie leisteten rund 6 ¾ Stunden bezahlte und knappe 7 Stunden unbezahlte Arbeit. Diese Relationen zeigten sich auch, wenn beide Eltern in Home-Office waren. „Gerade Frauen mit hohem Bildungsniveau waren mehr belastet als sonst. In etwa jede dritte Frau mit Hochschulabschluss gab an, dass sie im Vergleich zu ihrem Partner einen größeren Anteil der unbezahlten Arbeit übernahm als zuvor“, so Katharina Mader. Von den Frauen ohne Hochschulabschluss gab nur etwa je Vierte an, in Zeiten des Lockdown einen höheren Anteil übernommen zu haben. „Das liegt auch daran, dass diese Frauen im Vergleich zu Frauen mit höherer Bildung bisher schon deutlich mehr unbezahlte Arbeit übernommen haben.“

Weitere Ergebnisse der Befragung werden ab dem 30.5. laufend hier veröffentlicht:  https://www.wu.ac.at/en/vw3/research/current-projects/genderspecificeffectsofcovid-19

© Pamela Russmann

Über den/die Forscher*In

Katharina Mader ist seit 2011 Assistenzprofessorin am WU Institut für Heterodoxe Ökonomie. In ihrer Forschung setzt sie sich vor allem mit der ökonomischen Situation von Frauen auseinander. Mit ihrem aktuellen Projekt will sie aufzeigen, ob sich die Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit in einem Haushalt ändert, wenn beide Elternteile von zu Hause arbeiten.

0 replies

Leave a Reply

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar