Biomarker: Kleine Signale, große Wirkung

Körpereigene Biomarker verraten lange vor den ersten offensichtlichen Symptomen, ob eine Krankheit entsteht. An der TU Graz forscht man unter anderem an der Früherkennung von Sepsis und verschiedenen Krebsarten – mit dem Potential, Leben zu retten.

Unser Körper arbeitet ständig daran, sich selbst zu reparieren – laufend werden von uns unbemerkt Zellen an einer Stelle auf- und an der anderen wieder abgebaut und Gene an- oder abgeschaltet, als Reaktion auf äußere oder innere Einflüsse. So auch im Krankheitsfall – und zwar meist schon bevor die erkrankte Person selbst etwas davon bemerkt – hat der Körper begonnen Signale auszusenden um die Krankheit zu bekämpfen.

Diese Signale entstehen, indem im Rahmen der Aktivität von Genen DNA-Moleküle aus den Zellen freigesetzt werden und im Blut zirkulieren. Diese Moleküle werden als Botschaft von anderen Zellen genutzt. Und genau diese Moleküle können die Forschenden mit diagnostischen Verfahren im Blut erkennen und entschlüsseln. „Wir können mit unseren Methoden nachvollziehen, welche DNA-Moleküle im Blut Auskunft über bestimmte Krankheiten geben – sogenannte Biomarker und dieses Wissen dann benutzen um Schnelltests für die Krankheiten zu entwickeln, erklärt Christoph W. Sensen, Leiter des Instituts für Computational Biotechnologie der TU Graz.

Biomarker als flottes Diagnoseinstrument


Für Sensen und sein Team stellt die Biomarker-Forschung eine einzigartige Chance dar, schwere Krankheiten wie Blutvergiftung oder Krebs frühzeitig zu erkennen. „Wenn erste Symptome auftreten, ist die Krankheit meist schon sehr weit fortgeschritten“, erklärt der Forscher „Je später eine Diagnose gestellt wird, desto höher ist das Risiko für einen schweren oder gar tödlichen Verlauf.“

Die bisherigen Erfolge in Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum acib geben Hoffnung: Mithilfe ihrer neu entwickelten Diagnosemethoden können Sensen und sein Team zum Beispiel eine Sepsis mittlerweile schon bis zu zwei Tage vor Auftreten der ersten Symptome mit hoher Genauigkeit nachweisen – und das in nur wenigen Stunden. „Damit erhöhen wir die Überlebenschancen unter Umständen um ein Vielfaches“, so Sensen.

Lunghammer TU Graz)

Über den/die Forscher*In

Christoph Wilhelm Sensen leitet das Institut für Computational Biotechnologie an der TU Graz. Er verfolgt das Ziel, schwere Krankheiten frühzeitig schnell und kostengünstig diagnostizieren zu können und so die Überlebenschance von Betroffenen maßgeblich zu steigern.