Darm gut, alles gut?

Störungen der Darmgesundheit sind die häufigste Erkrankung bei Rind und Schwein. Ein neues Labor an der Vetmeduni Vienna wurde mit dem Ziel eröffnet, die Gesundheit von Nutztieren zu erhöhen und damit den Einsatz von Antibiotika verringern.

Am 21. März 2019 wurde die Arbeit am neuen „Christian Doppler-Labor (CD-Labor) für Innovative Darmgesundheitskonzepte bei Nutztieren“ aufgenommen. Unter der Leitung von Qendrim Zebeli, der auch das Institut für Tierernährung und funktionelle Pflanzenstoffe an der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni Vienna) leitet, wird in einem Zeitraum von sieben Jahren grundlegende Forschung zur Darmgesundheit bei Nutztieren wie Rind und Schwein betrieben. „Oft werden bei Nutztieren Symptome wie Durchfall festgestellt, ohne aber die genaue Entstehung oder Ursache dafür zu kennen“, erklärt Labor-Leiter Zebeli: „Wir werden systematisch Wissen aufbauen und Möglichkeiten zu vorbeugenden Maßnahmen erarbeiten, die zu einer nachhaltigen Verbesserung der Tiergesundheit beitragen.“ Eine gesunde Darmflora wirke sich positiv auf das Wohlbefinden von Schweinen und Rindern aus – und damit auch auf die Produktion hochwertiger und sicherer Lebensmittel.

Einsatz von Antibiotika reduzieren

Treten bei Nutztieren Darmgesundheitsstörungen auf, werden oft Antibiotika verabreicht. Der weltweit sehr hohe Einsatz dieser Medikamente bei Tieren stellt durch die Bildung von Antibiotikaresistenzen eine große Gefährdung für die menschliche Gesundheit dar. Die Forschung im CD-Labor für Innovative Darmgesundheitskonzepte soll einen essenziellen Beitrag zur Reduktion des Antibiotikaeinsatzes bei Nutztieren leisten.

Bunt gemischt: Fachkenntnisse gemeinsam nutzen

Das Team rund um Zebeli besteht aus internationalen Forschenden unterschiedlicher Fachdisziplinen, unter anderem Tierernährungsexpert*innen, Darmphysiolog*innen, Molekularbiolog*innen, analytische Chemiker*innen, Statistiker*innen oder Bioinformatiker*innen der Veterinärmedizinischen Universität Wien und dem Interuniversitären Department für Agrarbiotechnologie in Tulln (IFA), das von der Vetmeduni Vienna gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur (BOKU) und der Technischen Universität Wien (TU) betrieben wird. Die neuen Ansätze, die durch das breit aufgestellte Team erarbeitet werden, stellen die Grundlage für die Entwicklung krankheitsvorbeugender Gesundheitsstrategien dar. Dabei soll die Nahrungsaufnahme nicht nur als Versorgung des Organismus mit Nährstoffen angesehen werden. Die richtige Nahrung trägt vielmehr essenziell dazu bei, die Darmgesundheit und damit die allgemeine Gesundheit und Leistung von Rindern und Schweinen fördern. Hat man diese Zusammenhänge verstanden, können sich daraus auch effektive Fütterungsempfehlungen ableiten lassen: „Das Ziel ist, dass jedes individuelle Nutztier das bekommt, was es braucht“, betont Zebeli.

© Michael Bernkopf/Vetmeduni Vienna

Über den/die Forscher*In

Qendrim Zebeli ist Professor für Tierernährung und leitet das Institut für Tierernährung und Funktionelle Pflanzenstoffe. Seine Forschung beschäftigt sich im Schnittstellenbereich der Ernährungsphysiologie und Prävention ernährungsbedingter Stoffwechselstörungen bei Nutztieren. Oberstes Ziel seiner Forschung ist es, die Mechanismen zur Rolle der Ernährung auf den Gesundheitsstatus und die Produktivität der Tiere näher zu definieren und darauf aufbauend innovative tiergerechte Fütterungsstrategien zu entwickeln.
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