Dehnung für die Mobilität

Die Forschung des Dehnens bei Zerebralparese soll Aufschluss geben wie sich das Dehntrainingsprogramm auf die Mobilität der Kinder auswirkt.

Die Med Uni Graz und die Universität Graz bemühen sich gemeinsam die Mobilität und Beweglichkeit von Kindern mit einer motorischen Beeinträchtigung (Zerebralparese) durch wissenschaftliche Zusammenarbeit an einem FWF Projekt zu verbessern und erforschen.

Veränderungen des Muskel-Skelettsystem

Zerebralparese (ZP) ist eine meist spastische Bewegungsstörung, deren Ursache in einer frühkindlichen Hirnschädigung liegt. Betroffene leiden meist an individuellen Einschränkungen, die oft durch die Spastik – die erhöhte Eigenspannung der Muskulatur – sowie Veränderungen des Muskel-Skelettsystems verursacht werden. Die Beeinträchtigung der Bewegung bei Kindern mit ZP wird durch verkürzte Muskeln im Vergleich zu gleichaltrigen gesund entwickelten Kindern verursacht. Eine verbreitete Therapie ist ein Dehntraining, bei dem der Muskel-Sehnen-Apparat mehrmals wöchentlich gedehnt wird, um Operationen beziehungsweise Botulinum-Toxin-Behandlungen bei Kindern zu verhindern oder zumindest hinauszuzögern. Die Auswirkungen des Dehnens bei ZP wurden bisher noch nicht ausreichend untersucht.

Datenerhebung für optimale Therapie von Kindern und Jugendlichen

Ziel der Forschung ist es daher, die Effekte eines einmaligen kurzen Dehnreizes sowie zweier unterschiedlicher 8-wöchiger Dehntrainingsprogramme auf die Muskel- und Sehneneigenschaften, die Muskelkraft, die Spastizität, die Gelenksbeweglichkeit und das Gangbild von Kindern und Jugendlichen mit ZP zu untersuchen. Zur Datenerhebung werden erstmals Methoden wie 3D Ultraschall – eine Kombination des Ultraschalls und 3D Bewegungsanalyse Systems und instrumentelle Spastizitätsmessung – verwendet, die objektive und präzise Ergebnisse ermöglichen. Das Gangbildes der Patient*innen wird mit Hilfe von Infrarot-Kameras und Kraftmessplatten getestet. Diese Messungen sollen Aufschluss darüber geben, wie sich die durch die Dehntrainingsprogramme möglicherweise veränderten Muskel-Sehnen Eigenschaften auf die Bewegung beziehungsweise Mobilität der Kinder und Jugendlichen auswirken. Durch die Ergebnisse der Studie soll die Effektivität der Dehnprogramme eingeschätzt werden. Diese Abschätzung ist auch für die (zukünftige) konservative Therapie der Patient*innen bedeutsam.

Kooperationsprojekt

Das FWF Hertha-Firnberg Projekt unterstützt hervorragend qualifizierte Wissenschafter*innen (Dr.in Kruse) bei der Durchführung ihrer wissenschaftlichen Laufbahn in der Postdoc-Phase. Dieses Projekt ist eine Kooperation zwischen der Universität Graz, der Medizinischen Universität Graz sowie der Freien Universität Amsterdam.

Forscherin Annika Kruse
© Medizinische Universität Graz

Über den/die Forscher*In

Annika Kruse ist Leiterin dieses Hertha-Firnberg Projektes, welches derzeit am Institut für Bewegungswissenschaften, Sport und Gesundheit durchgeführt wird. Sie ist Teil der Arbeitsgruppe „Biomechanik, Bewegungs- und Trainingswissenschaft“ der Universität Graz. Seit knapp 6 Jahren untersucht sie in Zusammenarbeit mit Univ.-Prof. Dr. Markus Tilp und Priv.-Doz. Dr. med. Martin Svehlik, PhD die Effekte von konservativen Therapiemethoden (z.B. funktionelles Krafttraining, Dehnen) auf die Muskel- und Sehneneigenschaften und funktionelle Leistungsfähigkeit bei Kindern und Jugendlichen mit Zerebralparese.
Forscher Martin Svehlik
© Medizinische Universität Graz

Über den/die Forscher*In

Martin Svehlik ist für das Bewegungsanalyselabor der Universitätsklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Sektion Kinderorthopädie, an der Medizinische Universität Graz verantwortlich. In diesem Labor werden komplexe Gang- und Bewegungsstörungen mit modernster Messtechnik (3D Bewegungsanalyse, Kraftmessplatten, dynamische Elektromyographie oder Druckmessplatte) erfasst um eine optimale Behandlung bzw. operative Eingriffen gezielt zu planen.