Demokratisches Social-Media-Netzwerk

Facebook, Twitter und Co. sind zentralisierte Plattformen, die Privatunternehmen gehören, die die jeweiligen Netzwerke kontrollieren. Ein EU-H2020-gefördertes Projekt will mit Blockchain-Technologie ein dezentrales Social-Media-Ökosystem schaffen.

Social-Media-Plattformen sind heute Schlüsseltechnologien für die globale Vernetzung des Menschen. Sie haben das Potenzial, neue Kommunikationsmuster zu prägen sowie Mobilisierung, Geschäftspraktiken und Wissenserwerb nachhaltig zu verändern. Die derzeit am Markt tätigen Unternehmen tragen daher eine große gesellschaftliche Verantwortung, der sie, so Projektleiter Radu Prodan, in vielen Aspekten nicht gerecht werden. Er führt weiter aus: „Die über Social Media verbreiteten Inhalte können unsere Welt verändern. Umso fragwürdiger ist, mit welchen Leitlinien derzeit Inhalte erstellt, propagiert und an die Nutzenden verbreitet werden. Daneben fallen immer wieder Datenschutzverletzungen ins Gewicht.“

Vertrauenswürdigere Netzwerke

„Um diese Probleme in Angriff zu nehmen, brauchen wir innovative Lösungen sowohl auf der Benutzer*innenebene als auch auf der Ebene der sozialen Netzwerke. Wir brauchen vertrauenswürdigere Netzwerke, die unter einer dezentralen Kontrolle und Eigentümerschaft stehen“, so Radu Prodan weiter. Mit ARTICONF soll ein solches System – in Zusammenarbeit acht internationaler Partner*innen – entstehen.

Kontrolle in den Händen vieler Anonymen

Der Schlüssel für die Zielerreichung liegt im Dezentralen, das der Blockchain-Technologie innewohnt. Sie unterstützt dabei, böswillige Akteur*innen rückverfolgen zu können und bösartige Inhalte wie beispielsweise Fake News zu eliminieren. Außerdem ist es gelungen, neuartige Anpassungspraktiken zu integrieren, die Benutzer*innen mit gemeinsamen Interessen in eine orchestriert vernetzte Community bringt, ohne dabei deren Anonymität aufzugeben.

 „Die großen Unternehmen haben uns Privatsphäre, Robustheit und Autonomie versprochen, was sie bisher nicht einhalten können“, so Radu Prodan. ARTICONF schafft ein System, in dem die Kontrolle in den Händen eines jeden Anonymen liegt. Das System könnte aber nicht nur zur Kommunikation dienen, sondern auch andere Bereiche wie Carsharing oder Crowdsourcing-Journalismus integrieren.

Forscher Radu Prodan
© Daniel Wachnig

Über den/die Forscher*In

Radu Prodan ist Professor für Verteilte Systeme am Institut für Informationstechnologie der Universität Klagenfurt. Ziel seiner Forschung ist die Weiterentwicklung paralleler und verteilter Systeme, in denen nicht ein Rechner zentral steuert, sondern Informationen und Aufgaben auf den technischen Schultern vieler Elemente lasten.
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