Der Ursprung von Pandemien im Mikrobiom

Das Coronavirus hält die Welt in Atem. Welche Rolle das Mikrobiom für diese und andere Pandemien spielt, erklärt Umweltbiotechnologin Gabriele Berg, die Leiterin des Instituts für Umweltbiotechnologie an der TU Graz.

Das Mikrobiom: kleinste Organismen und umgebender Lebensraum

Das Mikrobiom von Menschen oder Tieren setzt sich aus der Mikrobiota und ihrem umgebenden Lebensraum zusammen. Lebende Mikroorganismen, Bakterien, Archeen, das heißt Urbakterien, Pilze, Algen und Protisten – eine bestimmte Gruppe ein- bis mehrzelliger Lebewesen – bilden die Mikrobiota. Viren gehören zum Lebensraum, der sie umgibt. Viele mögliche Krankheitserreger sind also Teil des Mikrobioms. Im Körper existieren unterschiedliche Mikrobiome wie das der Lunge oder das Darmmikrobiom. Ein gesundes Mikrobiom ist vielfältig, gleichmäßig strukturiert und bildet ein ausbalanciertes Netzwerk. Gerät es aus dem Gleichgewicht, vermehren sich bestimmte Mikroorganismus stärker als andere. So entsteht Krankheit.

Alle Pandemien haben ihren Ursprung in Mikrobiomen

Krankheiten können in vielen Mikrobiomen ihren Ursprung haben – sie werden von anderen Menschen, Tieren, Pflanzen oder durch Wasser übertragen. Wie ansteckend ein Krankheitserreger oder wie empfindlich der befallene Organismus ist, entscheidet unter anderem darüber, ob Krankheiten, Epidemien oder Pandemien entstehen. „Die Erkenntnis, dass und wie Mikrobiome vernetzt sind, hat zum ‚One health‘-Konzept geführt. Es bedeutet, dass alle Systeme gesund sein müssen, um unsere Gesundheit zu gewährleisten“, erklärt TU Graz-Umweltbiotechnologin Gabriele Berg. „Leider haben Überbevölkerung, intensive Landwirtschaft und Globalisierung  die biologische Vielfalt, die als „Krankenversicherung“ gegen Pandemien agiert, stark eingeschränkt.“

Schatztruhen für neue Antibiotika

Hygiene und Antibiotika waren im letzten Jahrhundert ausreichender Schutz vor Pandemien. Heute  fordern uns besonders widerstandsfähige Erreger und unbekannte Viren heraus. Mikrobiome liefern eine Lösung, denn ihre Mikroorganismen produzieren antibiotische Wirkstoffe, um sich gegenseitig im Gleichgewicht zu halten. „Wir kennen heute nur einen kleinen Teil von Mikrobiomen und doch erfahren wir in aktuellen Forschungsprojekten wie zum Beispiel „Mikrobiom Mining“ immer mehr über die kleinsten Mitbewohner, die für unsere Gesundheit verantwortlich sind“, wirft Gabriele Berg einen Blick in die Zukunft.

Dieses Forschungsgebiet ist im Field of Expertise „Human & Biotechnology“ verankert, einem von fünf strategischen Forschungsschwerpunkten der TU Graz.

© Lunghammer – TU Grau

Über den/die Forscher*In

Gabriele Berg ist eine Biotechnologin und Hochschullehrerin für Umweltbiotechnologie an der TU Graz. Sie forscht seit rund 25 Jahren am Mikrobiom – einer Gemeinschaft von Bakterien, Pilzen und anderen kleinsten Lebewesen, die für die Gesundheit von Pflanzen und Menschen verantwortlich sind.
0 replies

Leave a Reply

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.