Die Plastikwelle stoppen

Kann die Verschmutzung der Weltmeere durch Millionen Tonnen an Plastik pro Jahr durch neue Maßnahmen gestoppt werden?

Aktuell gelangen jedes Jahr 11 Millionen Tonnen Plastik in die Weltmeere. In 20 Jahren könnten es bereits 29 Millionen Tonnen sein. Wissenschaftler der Universität Innsbruck schlagen nun Maßnahmen vor, um diese Plastikwelle zu stoppen. 

Veränderung ist notwendig

Wenn wir weiter soviel Plastik wegwerfen wie heute, dann landen bald jedes Jahr 50 Kilogramm Kunststoff pro Meter Küstenlinie in den Meeren, sagt Martin Stuchtey, Professor am Institut für Geographie der Universität Innsbruck und geschäftsführender Gesellschafter der Beratungsfirma SYSTEMIQ.

Gemeinsam mit der Non-Profit-Organisation Pew hat er einen Bericht vorgelegt, der zeigt, dass selbst eine ambitionierte Umsetzung von Einzellösungen, wie Sammeln und Entsorgen oder Recycling, nicht in der Lage ist, den Plastikeintrag in die Meere unter das Niveau von 2016 abzusenken, ohne dabei an wesentliche technische, wirtschaftliche, soziale oder ökologische Grenzen zu stoßen.

Systemwandel notwendig

Die Wissenschaftler zeigen, dass mit Hilfe acht konkreter Maßnahmen bis 2040 etwa 80 Prozent weniger Kunststoff jährlich in die Ozeane fließt. Dazu gehören die Reduzierung der Kunststoffproduktion und des Kunststoffverbrauchs, der Ersatz von Kunststoffen durch Alternativen wie Papier und kompostierbare Materialien, das Verändern des Designs von Produkten und Verpackungen für das Recycling, die Ausweitung der Abfallsammlung in Ländern mit mittlerem und niedrigem Einkommen, die Steigerung des Recyclings und die Verringerung der Exporte von Kunststoffabfällen.

Zusätzlich zur Verbesserung der Lebensbedingungen in den Meeren würde die Umsetzung dieser Strategie den Regierungen bis 2040 Einsparungen in Höhe von 70 Milliarden US-Dollar bringen. Die jährlichen Treibhausgasemissionen zur Herstellung von Kunststoffen würden zudem um ein Viertel gesenkt und 700.000 neue Arbeitsplätze geschaffen.

Professor Martin Stuchtey
© SYSTEMIQ

Über den/die Forscher*In

Martin Stuchtey ist Professor, Unternehmensgründer und Ratgeber für nachhaltiges Ressourcenmanagement. In den vergangenen zehn Jahren hat er globale Initiativen geleitet, um Veränderungsprozesse im Übergang zu neuen regenerativen, zirkularen Geschäftsansätzen zu realisieren. Er forscht und lehrt am Institut für Geographie der Universität Innsbruck.