EcoVeloTour: Nachhaltige Tourismusmobilität im Donauraum

An der Universität für Bodenkultur Wien forschen Wissenschaftler*innen in einem internationalen Projekt daran, nachhaltige Tourismusprodukte für den Donauraum zu entwickeln. Die zentralen Bausteine sind Fahrradnutzung vor Ort, intermodale Anreise im öffentlichen Verkehr und Ökotourismus.

Die Bewältigung der Klimakrise und der Covid-19 Pandemie stellt die Gesellschaft vor große Herausforderungen. Um den Temperaturanstieg zu begrenzen, ist es notwendig, die CO2-Emissionen des Flugverkehrs drastisch zu reduzieren. Massentourismus, der auf billigen Flugreisen basiert, ist damit nicht mehr zukunftsfähig. Die Covid-19 Pandemie schränkt derzeit Auslandsreisen massiv ein. Um das menschliche Grundbedürfnis nach Erholung zu befriedigen, sind neue, nachhaltigere und regionalere Tourismuskonzepte notwendig. Radreisen sind z.B. deutlich umweltfreundlicher als andere Urlaubsformen. Die CO2-Emissionen einer Radreise sind im Durchschnitt 80 Prozent niedriger als bei einer konventionellen Urlaubsreise.

Ökotourismus

Im Projekt EcoVeloTour untersuchen Wissenschaftler*innen der Universität für Bodenkultur Wien gemeinsam mit Partnern aus sechs Ländern, welchen Beitrag eine Kombination von Fahrradnutzung vor Ort, intermodale Anreise im öffentlichen Verkehr und Ökotourismus zur Lösung dieser Probleme leisten können. Ökotourismus wird dabei als eine die Natur wertschätzende, schonende Form des Tourismus definiert, deren Ziele es sind, zu beobachten, zu lernen und regionale kulturelle Traditionen zu bewahren.

Aufbauend auf einer Markt- und Akteursanalyse wurden Handbücher für Ökotourismus und nachhaltigen Fahrradtourismus verfasst. In diesen werden die Themen Ökotourismus, Radinfrastruktur, öffentlicher Verkehr, Verleihsysteme, Beherbergung und Gastronomie, touristische Produkte und Monitoring behandelt. Die Handbücher wurden in 6 Regionen zur Entwicklung von Strategien für einen nachhaltigen Öko- und Fahrradtourismus verwendet. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse fließen in sieben Pilotprojekte zu Information und Wegweisung, innovativen Beherbergungs- und Rastplätzen und automatische Zählstellen ein.

Öffentlich zugänglich

Ein zentrales Element zum Testen des EcoVeloTour-Konzepts sind interaktive Workshops und Exkursionen mit lokalen Akteuren, z.B. in Form geführter Touren im Mountainbike Trailcenter Hohe Wand Wiese des Biosphärenparks Wienerwald oder im Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel. Alle Produkte und Ergebnisse werden in eine E-Learning-Plattform eingebettet und sind über die EcoVeloTour Plattform öffentlich zugänglich.

Das Projekt EcoVeloTour wird aus Fonds der Europäischen Union (ERDF, IPA) kofinanziert.

Paul Pfaffenbichler
© Ernst Miglbauer

Über den/die Forscher*In

Paul Pfaffenbichler ist Universitätsassistent am Institut für Verkehrswesen der BOKU Wien und beschäftigt sich in seiner Forschung unter anderem mit nachhaltiger Tourismusmobilität. Ein weiterer Forschungsschwerpunkt ist die Entwicklung dynamischer Simulationsmodelle zur Vorhersage des Mobilitätsverhalten und der Modellierung der Wechselwirkungen zwischen Raumnutzung und Verkehr. Mit diesen können z.B. Fragen zur Förderung der Marktakzeptanz alternativer Antriebe oder die Auswirkungen des automatisierten Fahrens untersucht werden. Am Institut für Verkehrswesen ist er zudem verantwortlich für den Aufbau einer Kompetenzgruppe System Dynamics.