Ein schützender Pieks gegen Insektenstiche

Bei einer schweren Bienen- oder Wespengift-Allergie kann schon der Stich eines Insekts bis zum Tod durch Atemnot und Kreislaufversagen führen. Eine Wiener Forschergruppe arbeitet an Impfstoffen, die Bestandteile des Insektengifts in abgeschwächter Form enthalten mit deutlich weniger Nebenwirkungen.

Wenn die Sonne stärker scheint, bricht auch die Saison für Bienen- und Wespenstiche wieder an. Für die allermeisten Menschen gehen Stich, Schmerz und Schwellung mit rascher Kühlung und Bekämpfung des Juckreizes schnell vorbei. Die Reaktion auf das Gift bleibt lokal begrenzt. Triggert der Stich jedoch eine Immunantwort mit Antikörpern der Klasse Immunglobulin E (IgE) kommt es zu einer Sensibilisierung gegen das Insektengift. Beim erneuten Kontakt können diese dann allergische Symptome auslösen.

In Österreich reagieren rund zwei Prozent der Bevölkerung mit mittleren bis schweren Symptomen von großflächigem Juckreiz, tränenden Augen, über Magen-Darm- oder Kreislauf-Probleme bis hin zu Atemnot. „Die Dunkelziffer liegt bei 200 Todesfällen durch Bienen- und Wespengift pro Jahr in Europa. Bei Erwachsenen sind Insektenstiche der häufigste Auslöser eines anaphylaktischen Schocks, bei Kindern liegen sie auf Platz zwei“, erklärt Irene Mittermann von der Medizinischen Universität Wien. Ziel ihrer immunologischen Forschung, die vom Wissenschaftsfonds FWF unterstützt wurde, ist die molekularbiologische Konstruktion von abgeschwächten Allergenen. Diese sollen letztlich in je einer Impfung gegen Bienen- und Wespengift münden.

Fokus auf die Oberfläche

Für die allergischen Beschwerden ist die Überreaktion der IgE-Antikörper verantwortlich. Diese binden an die Oberfläche der Insektengift-Allergene, die sie als Fremdkörper identifizieren. Was im Inneren der Allergene alles verstaut ist, ist für die Schutzimpfung also nicht so wichtig. In den vergangenen drei Jahren hat Irene Mittermann mit großem Aufwand die wichtigsten Insektengift-Allergene nachgebaut, unterschiedlich stark modifiziert und getestet. Das Anforderungsprofil an die hypoallergenen Derivate aus dem Labor ist hoch: „Die Kandidaten müssen ohne großen Aufwand herzustellen sein. Sie dürfen von IgE-Antikörpern nicht erkannt werden, sondern sollen stattdessen einen IgG-Schutz bewirken.“ Nur eine Handvoll der Haupt-Allergene von Biene und Wespe bestanden bisher beide Tests: mit dem Blutserum von genau charakterisierten starken Allergikerinnen und Allergikern und in Kaninchen als Modellorganismus. Es sind die ersten Schritte auf dem Weg zum schützenden Pieks vor dem Bienen- und Wespenstich.

© Privat

Über den/die Forscher*In

Irene Mittermann ist Molekularbiologin und leitet die Arbeitsgruppe Molekulare Allergen-Charakterisierung am Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung der Medizinischen Universität Wien. Sie hat Genetik an der Universität Wien studiert und wechselte 2001 an die Medizinische Universität Wien, wo sie im Oktober 2014 habilitierte. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Insektengiftallergie und die Atopische Dermatitis.
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