Eine Smartphone-Tastatur für Blinde

Acht Tasten, die man einfach auf die Rückseite des Handys kleben kann, sollen blinden Menschen nun das Leben erleichtern.

Beim Warten auf die Straßenbahn schnell mal eine Textnachricht ins Smartphone tippen – das ist für viele Leute ganz normal. Menschen mit Sehbehinderung haben es dabei deutlich schwerer. Zwar gibt es eigene Braille-Schrift-Tastaturen für den Computer, eine einfache, tragbare Lösung für das Smartphone gab es bisher nicht. Durch eine Bachelorarbeit der TU Wien ist das nun anders: Johannes Strelka-Petz (Forschungsbereich Multidisciplinary Design & User Research) hat eine Braille-Tastatur entwickelt, die ganz einfach auf der Rückseite eines Smartphones angebracht werden kann. Das mobile Braille-Keyboard „Oskar“ ermöglicht rasches Tippen unterwegs.

Acht Tasten fürs Smartphone

Die Braille-Schrift stellt jeden Buchstaben als Kombination von Punkten dar. Es gibt sechs Positionen, an denen sich entweder eine ertastbare Markierung befindet oder nicht. Um auch Spezialzeichen unterzubringen, kann das Braille-System auf acht mögliche Punktpositionen erweitert werden. „Eine Braille-Tastatur besteht daher aus acht verschiedenen Tasten“, erklärt Johannes Strelka-Petz. „Ähnlich wie man am Klavier mit mehreren Fingern gleichzeitig einen Akkord spielt, produziert man auf dieser Tastatur einen Buchstaben, indem man die entsprechenden Tasten gleichzeitig drückt.“

Wenn eine solche Tastatur mit einem Computer verbunden wird, liegt sie normalerweise genau wie eine Standard-Tastatur auf dem Tisch. Für das Smartphone drehte Johannes Strelka-Petz dieses Tastensystem um: Eine Vorrichtung mit acht Tasten wird auf die Rückseite des Smartphones geklebt. „Man bedient das Smartphone also von hinten, die Handhaltung ist daher anders als bei einer gewöhnlichen Tastatur, aber die Tasten sind so angeordnet, dass dieselben Finger trotzdem noch für dieselben Punkt-Positionen zuständig sind“, erklärt Strelka-Petz. „Daher ist es für Leute, die an eine gewöhnliche Braille-Tastatur gewohnt sind, kein Problem, sehr schnell die Verwendung unserer Smartphone-Tastatur zu erlernen.“

Schon nach wenigen Minuten erreichten die Versuchspersonen mit dem neuen Gerät eine Schreibgeschwindigkeit von etwa 20 Wörtern pro Minute – mit einer herkömmlichen Braille-Tastatur auf dem Tisch sind etwa 30 Wörter pro Minute üblich. „Dass schon mit so wenig Übung eine solche Geschwindigkeit erreicht werden kann, vergleichbar mit gewöhnlichem Braille-Schreiben, ist für uns ein großer Erfolg“, sagt Strelka-Petz. Dass nicht genau dieselbe Schreibgeschwindigkeit erreicht wird, ist nicht überraschend – auch Sehende tippen am Display deutlich langsamer als auf einer vollwertigen Computertastatur.

Über den/die Forscher*In

Johannes Strelka-Petz nimmt teil an der Forschung Multidisciplinary Design & User Research an der Fakultät Informatik der TU Wien. Im Rahmen seiner Bachelorarbeit beschäftigt er sich mit einem Open-Source-Projekt, das die Pläne und den Programmcode online zur Verfügung stellt.