Einmal Oper to go, bitte!

Verstaubt, konservativ, elitär – mit diesen Vorurteilen hat die Oper abseits des klassischen Kulturbetriebs manchmal zu kämpfen. „Opera out of Opera“ setzt genau dort an! Ein innovativer Forschungsansatz soll herausfinden, wie man ein neues Publikum für die Oper begeistert.

Als am Flughafen Fiumicino in Rom im September letzten Jahres plötzlich „Libiamo“ aus Giuseppe Verdis „La Traviata“ erklingt, kehrt in das gewohnt hektische Treiben Ruhe ein. Businesstrolleys und Reisekoffer kommen zum Stillstand, nur das Smartphone wird noch schnell gezückt. Fiumicino war die erste von vier Stationen, die sich das Forschungsprojekt „Opera out of Opera“ vorgenommen hat. Kurz darauf wurde den Klassikern der Klassik in Bikini und Badehose am Strand von Paralía Palaiou Falhrou Mpatis in Athen und im Baluarte in Pamplona gelauscht.

Do you know what opera is?

Fünf europäische Universitäten haben sich für dieses ungewöhnliche, von der EU geförderte Forschungsprojekt, das auf Audience Development für die Oper abzielt, zusammengetan. Den Grundstein dafür legte ein breit an unterschiedlichste Zielgruppen gestreuter Onlinefragebogen zu Themen rund um die Oper. Das Ziel: ein Gesamtbild zum allgemeinen Wissensstand und Operninteresse erhalten. Auf Basis von aus Fragen wie „Do you know what opera is?“, „Have you ever attended or watched an opera and in case you have, where?“ oder „Have you ever heared the names Anna Netrebko, Luciano Pavarotti oder Maria Callas?“ gewonnener Daten wurde in Folge ein Audience-Development-Konzept erarbeitet.

Altes versus neues Konzept

In einem innovativen Mix aus ungewöhnlichen Aufführungsorten, interaktiver App, konzertbegleitender Videowall sowie Werkskürzungen durch Vereinfachungen und Medleys sollte schließlich ein frischer Akzent in der Aufführungspraxis gesetzt werden. „Der Erfolg hat uns Recht gegeben, die Menschen waren begeistert“, so Prof. Mario Diaz von der Universität Mozarteum Salzburg. „Wir schafften es sogar, die Aufmerksamkeit gestresster Reisender am Flughafen – eigentlich überhaupt kein Terrain für die Oper – auf uns zu ziehen. Eine Flughafenhalle war plötzlich mit grandiosen Klängen erfüllt, die Atmosphäre war phänomenal.“

To be continued …

Nach Beendigung der ersten Projekttour im Europark Salzburg am 7. März 2020 werden nun alle Daten und Reaktionen von einem externen Partner evaluiert und ausgewertet, bevor das Projekt weiter in die Welt hinausgehen soll. Ein gesellschaftlicher Beitrag auf internationaler Ebene, mit Mitstreiter*innen aus aller Herren Länder, aus unterschiedlichen Kulturen und Religionen, brennend für das Eine: die Musik, eine Sprache, die keiner Worte bedarf und die die Kraft hat, Völker zu vereinen und Generationen zu verbinden.

© Universität Mozarteum Salzburg

Über den/die Forscher*In

Der chilenische Tenor Mario Diaz, seit 2009 Professor an der Universität Mozarteum Salzburg, begleitet junge Talente auf ihrem Weg in die Opernwelt. Er war mehrmals im Rahmen der Sommerakademie am Mozarteum tätig und hält laufend internationale Masterclasses. 2018 erhielt Mario Diaz die „Honorary Professor of Kemerovo Sate University of Culture“ der Russischen Föderation. Bis 2019 war er im Senat der Universität Mozarteum Salzburg Kuriensprecher der Professoren. Er ist Univ.-Prof. für Sologesang, Beauftragter für Internationales, Koordinator ASEA-UNINET