Flexiblere Öffis für ländliche Gebiete

Während in den Großstädten U-Bahn, Straßenbahn und Busse im Minutentakt verkehren, heißt es am Land: Geduld haben! Flexible Mikro-Öffis sollen neue Angebote für die ländliche Bevölkerung ermöglichen.

Wohnen weniger Menschen auf dichtem Raum, gibt es weniger mögliche Nutzer*innen von öffentlichen Verkehrsmitteln. In solchen Fällen lohnt sich eine engmaschigere Taktung nicht, und das Öffi-Angebot wird unattraktiver. Diesem Teufelskreis will man in Kärnten nun mit dem Projekt MobiCar begegnen, das auf Mikro-ÖV-Lösungen (Öffentlicher Verkehr) setzt.

Zusätzliches Angebot

Mikro-ÖV soll individuell und ad hoc buchbar sein. Der Zubringerdienst zu bestehenden Bus- und Zughaltestellen dient der Überbrückung der sogenannten last mile, also dem letzten Stück Weg von oder bis zum Zielort. Eine Software soll dabei für die Fahrer*in des Kleinbusses immer die optimale Route errechnen, die auch weniger Emissionen bedeutet. „Ziel ist es, die Bedürfnisse des einzelnen Verkehrsteilnehmenden ins Zentrum zu rücken und gleichzeitig ein Angebot zu schaffen, das die Verkehrsemissionen nachhaltig reduziert“, so Stephanie Schasché, die das Projekt an der Abteilung für Nachhaltiges Energiemanagement koordiniert. Die Projektleitung liegt bei Robert Sposato (Abteilung für Nachhaltiges Energiemanagement) und Philipp Hungerländer (Institut für Mathematik). Involviert sind auch die Lakeside Labs GmbH. Die Finanzierung erfolgt aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) sowie des Kärntner Wirtschaftsförderungsfonds (KWF).

Den Bedürfnissen auf der Spur

Stephanie Schasché untersucht im Projekt, ob diese neuen Mobilitätsprojekte auf die Akzeptanz der Nutzer*innen stoßen würde. Ziel der Erhebung in unterschiedlichen ländlichen Regionen Kärntens ist es, realistische Daten für die Technologieentwicklung zur Verfügung zu stellen. Nur wenn diejenigen, die die Algorithmen entwickeln und simulieren, wissen, welche Bedürfnisse die Nutzerinnen und Nutzer haben, können diese in die Planung einfließen. Außerdem will das Forschungsteam auch herausfinden, welche Faktoren dabei unterstützen, dass öffentliche Verkehrsmittel benutzt werden, oder eben nicht.

Öffi-Planung zwischen Finanzierbarkeit und Kundenwunsch

Bisher zeigt sich für Stephanie Schasché, dass in der Planung von Angeboten des Öffentlichen Verkehrs zu wenig Augenmerk auf den Kunden bzw. die Kundin gelegt wird. Ein Zugang, der sich stärker an deren Bedürfnissen orientiert, wäre also letztlich für diejenigen, die auch am Land gerne mobil sein und bleiben möchten, ein Gewinn.

Forscherin Stephanie Schasché
© Daniel Waschnig

Über den/die Forscher*In

Stephanie Schasché ist wissenschaftliche Projektmitarbeiterin an der Abteilung für Nachhaltiges Energiemanagement an der Universität Klagenfurt. Ihre Forschungsschwerpunkte sind nachhaltige Mobilitätslösungen und energiesparendes Verhalten.