Globale Politiken rund um Umweltschutz

Die Politologin Alice Vadrot, die auch im Leitungsteam des österreichischen Biodiversitätsrats ist, analysiert im Rahmen ihres ERC-Projekts „The Politics of Marine Biodiversity Data“ die internationale Umweltpolitik mit Fokus auf die Meeresschutzabkommen.

Plastikmüll, Chemikalien, Klimawandel und Überfischung haben für die Ökosysteme der Weltmeere dramatische Auswirkungen. Obwohl Wissenschafter*innen und Umweltschutzorganisationen schon lange an die Politik appellieren, einigte sich die internationale Staatengemeinschaft darauf, bis 2020 ein neues Abkommen auszuhandeln, das unter anderem die Errichtung von Meeresschutzgebieten zum Ziel hat.

Ein langer Prozess

Doch bis sich über hundert Staaten einigen, ist es ein langer Weg. „Diesen Schnittpunkt zwischen internationaler Politik und Wissenschaft finde ich so spannend. Mich interessiert, wie wissenschaftliche Aspekte in politischen Verhandlungen aufgenommen werden und wie Politik die Wissenschaft beeinflusst“, erklärt Alice Vadrot die grundsätzliche Fragestellung ihres ERC-Projekts „The Politics of Marine Biodiversity Data“.

In dem Projekt nimmt Vadrot mit ihrem Team an einem Großteil der Verhandlungen teil, um die unterschiedlichen Akteur*innen und ihr Handeln zu analysieren. „Ich möchte die Machtverhältnisse zwischen Regierungen abbilden und ihren Umgang mit nationalen Forschungs- und Dateninfrastrukturen verstehen. Wie zieht welche Regierung wissenschaftliches Wissen heran, um die eigene Position zu legitimieren?“, erklärt Vadrot.

Wem gehören die Daten?

Ein weiterer Schwerpunkt ist die maritime Forschungslandschaft. „Bislang existieren zu über 90 Prozent der marinen Biodiversität in den Weltmeeren keine Daten. Aufgrund neuer Forschungstechnologien und -methoden ändert sich das aber rapide“, so die ERC-Preisträgerin. Doch hier steckt großes Konfliktpotenzial: Wer darf in Schutzgebieten wie forschen? Wem gehören die Daten? Bei der Errichtung von Meeresschutzgebieten in internationalen Gewässern spielen Fragen geistiger Eigentumsrechte an genetischen Ressourcen und der Zugang zu wissenschaftlichen Daten eine große Rolle.

Case Studies

Obwohl in dem ERC-Projekt alle Staaten während der Verhandlungen untersucht werden, pickt Vadrot mit den USA, Brasilien und der EU drei Akteur*innen für konkrete Fallstudien heraus. „Brasilien und die EU sind für die Verträge, die USA dagegen“, so Vadrot: „Ich entwickle einen neuen methodischen Ansatz, der mir erlaubt, die Positionen einzelner Regierungen mit Entwicklungen auf nationaler Ebene und im Wissenschaftsfeld zu verknüpfen.“ Ihren neuen Ansatz kann die Politologin im Rahmen der Verhandlungen gleich testen. (td)

© Universität Wien

Über den/die Forscher*In

Alice Vadrot vom Institut für Politikwissenschaft promovierte an der Universität Wien mit einer Arbeit über die Etablierung des Weltbiodiversitätsrats, einer zwischenstaatlichen UN-Organisation zur wissenschaftlichen Politikberatung im Bereich des Umwelt- und Artenschutzes. 2018 erhielt sie einen ERC Starting Grant und realisierte damit ihr Forschungsprojekt „The Politics of Marine Biodiversity Data: Global and National Policies and Practices of Monitoring the Oceans“. Gemeinsam mit dem Biodiversitätsforscher Franz Essl von der Universität Wien und dem Zoologen Christian Sturmbauer (Uni Graz) gehört sie dem Leitungsteam des österreichischen Biodiversitätsrats an.
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