Klimakrise und Konsum: Jeder kann zu einer jährlichen CO2-Reduktion von bis zu 9 Tonnen beitragen

Ein Internationales Forschungsteam unter Beteiligung der BOKU hat 7000 Studien auf ihr Potential zur Reduktion von Emissionen in den Bereichen Ernährung, Mobilität und Wohnen gesichtet und daraus das Potential von Konsum-Optionen zum Klimaschutz erstellt.

Der menschengemachte Klimawandel ist in aller Munde und hat sich inzwischen zur Klimakrise zugespitzt. Gerade jetzt, wo Corona-bedingte Beschränkungen gelockert werden, ist eine besonders gute Zeit, um die individuellen Möglichkeiten zur Abmilderung der Klimakrise ins Auge zu nehmen, sowie die notwendigen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für eine klimafreundliche Gesellschaft zu schaffen.

Ein Forscher*innenteam, geleitet von Diana Ivanova, Universität Leeds, unter Mitarbeit von Dominik Wiedenhofer, Universität für Bodenkultur Wien, hat das Potential von 61 Konsum-Optionen zur Reduktion von Emissionen im Bereich Ernährung, Mobilität und Wohnen aus vorhandener Forschungen zum gesamten Lebenszyklus von Produktion und Konsum zusammengefasst und einen Top-10-Maßnahmenkatalog erstellt.

„Es zeigt sich ganz klar, das gerade in einem wohlhabenden Land wie Österreich, Autofahren, Fliegen, Fleischkonsum und Energieverbrauch daheim (Strom und Heizen) die wichtigsten individuellen Hebel sind“, betont Co-Autor Dominik Wiedenhofer vom Institut für Soziale Ökologie an der BOKU. Um diese Potentiale zu heben und ein klimafreundliches Leben zu ermöglichen, müsse einiges getan werden, z. B die Herstellung von Kostenwahrheit durch einen konsequent steigenden Co2-Preis, Verschärfung von Umweltgesetzen und Produkt-Effizienz-Standards, die Schaffung der notwendigen Infrastrukturen, sowie die Umsetzung klimafitter Verkehrs- und Raumplanung.  

Die Mobilität zeigt hierbei das größte Potential für Emissions-Reduktionen, gleichzeitig ist dieser Bereich gerade in Österreich ein stetig wachsendes Problem. Dabei belegt Platz Eins ein Auto-freies Leben, gefolgt vom Wechsel zu Elektromobilität und der Vermeidung von Langstecken-Flügen. Sowohl Automobilität als auch Flugreisen steigen stark mit dem höheren Einkommen. Gerade die Mobilität ist auch der Bereich, wo Infrastrukturen und Rahmenbedingungen zentral dafür sind, ob Menschen überhaupt nachhaltig mobil sein können oder ob sie mit dem Auto fahren müssen.

In der Ernährung zeigen sich klar die Klima-Vorteile von veganer Ernährung, der Reduktion bzw. dem Verzicht auf Fleisch, gefolgt vom Bezug von Bio- und regionalen Lebensmitteln sowie von Effizienzmaßnahmen beim Kochen und Kühlen von Lebensmitteln.

Beim Wohnen zeigt der Bezug bzw. die Produktion von grünem Strom großes Potential, aber auch die Renovierung und Sanierung von Wohngebäuden.

„Die Reduktion von Konsum und Energieverbrauch ist ein zentraler Baustein in der Bekämpfung der Klimakrise. Die identifizierten Top-10-Optionen können sofort umgesetzt werden. Auch viele der kleineren identifizierten Maßnahmen können helfen, je nachdem welche Möglichkeiten jede*r Einzelne hat. Nur durch ein Zusammenspiel von Veränderungen in individuellen Lebensstilen mit ambitionierter Klima- und Nachhaltigkeitspolitik wird es möglich sein, die katastrophalen Folgen des Klimawandels zu vermeiden“, so Wiedenhofer.

Dominik Wiedenhofer ist Senior Scientist an der Universität für Bodenkultur Wien
@ BOKU

Über den/die Forscher*In

Dominik Wiedenhofer ist Senior Scientist an der Universität für Bodenkultur Wien. Er hat sein Doktorat und Master-Studium an der Alpen-Adria Universität Klagenfurt absolviert, davor an der BOKU seinen Bachelor in Umwelt- und Bioressourcenmanagement gemacht. Forschungsaufenthalte an den Universitäten Nagoya (Japan), Leeds (England) und Sydney (Australien) haben seine bisherige Laufbahn bereichert. Wiedenhofer untersucht Potentiale nachhaltiger Lebensstile, die Möglichkeiten von Kreislaufwirtschaft sowie die Entkoppelung von Wirtschaft und Ressourcenverbrauch.