Kompass durch die Datenflut: Critical Data an der Kunstuni Linz

Die Kunstuniversität Linz erforscht die aktuellen Herausforderungen der Digitalisierung im Themenfeld Critical Data. Die künstlerischen Welten zwischen Versprechung und Manipulation.

Ein kritischer Diskurs in einer von Technik bestimmten Welt: Die Kunstuniversität Linz hat die Professur Critical Data – in dieser Form einzigartig in Österreich – eingerichtet. Manuela Naveau sieht sich als „Begleiterin von Studierenden, die sich mit den aktuellen Herausforderungen der Digitalisierung beschäftigen“.

„Der Mensch als Garant für Zufälliges in digitalen Netzwerken ist nicht nur verantwortlich, dass Maschinen so laufen, wie sie laufen, sondern auch dafür, dass sie hin und wieder nicht oder anders laufen“, betont Professorin Naveau „die Notwendigkeit des unermüdlichen kritischen Hinterfragens“. Das Umfeld der Universität, an der Schnittstelle von Kunst, Big Data und Künstlicher Intelligenz sowie Ethik, Philosophie, Politik und sozialem Engagement, mit Partnern wie der Ars Electronica sieht die Wissenschafterin prädestiniert dafür.

Zwischen Versprechung, Manipulation und Verschwörung

Critical Data erforscht die künstlerischen Welten und Utopien zwischen Versprechung, Manipulation und Verschwörung. Es hinterfragt unseren Umgang mit Technologien wie KI und behandelt gesellschaftliche Fragestellungen zum Verschwinden von Privatsphäre oder Einschränkung der Bürgerrechte. Im Fokus: die kreative Bearbeitung in den unterschiedlichsten Ausformungen.

„Das Themenfeld wird immer breiter und gewinnt zusehends an Brisanz“, betont Naveau: Konzerne mit ähnlich gearteten Produkten schließen sich zusammen, um ihre Datenbanken zu koppeln und so noch bessere Kundenprofile für punktgenauere Produktplatzierung zu erstellen.

Politische Vertreter*innen wiederum würden bei Künstlicher Intelligenz nicht ausschließlich mit Forschungsinstitutionen zusammenarbeiten, sondern Angebote des freien Marktes nutzen, so die Professorin. „Interessen vermischen sich mehr und mehr, die Transparenz und Beteiligung an den Systemen ist vielfach nicht mehr gegeben. Gerade junge Kunststudierende möchten sich jedoch am Diskurs über Daten und KI beteiligen und ich möchte das unterstützen.“

Weibliche Forschung zu Daten und KI

An diesem Punkt setzt die Forschung der Kunstuni an. Sie untersucht, wie Daten, Algorithmen und selbstlernende Systeme mit unserer Lebenswelt in Verbindung stehen und inwieweit wir als Einzelpersonen, als Communitys, als Gesellschaft Einfluss darauf nehmen können. Geplant ist eine umfassende künstlerisch-wissenschaftliche Aufarbeitung mit internationaler Beteiligung. Naveau: „Ein Schwerpunkt wird auf Forscherinnen gesetzt, denn immer mehr Frauen setzen sich kritisch mit Daten und Künstlicher Intelligenz auseinander.“

Künstlerin und Forscherin Manuela Naveau
© Anette Friedel

Über den/die Forscher*In

Manuela Naveau ist Künstlerin, Forscherin, Wissenschafterin und Kuratorin der Ars Electronica. Dort entwickelte sie gemeinsam mit dem künstlerischen Geschäftsführer Gerfried Stocker die Abteilung Ars Electronica Export und leitete sie operativ fast 18 Jahre. Naveau unterrichtet an der Kunstuniversität Linz und übernahm Lehraufträge an der Paris Lodron Universität in Salzburg und an der Donau-Universität Krems. Ihr Buch „Crowd and Art – Kunst und Partizipation im Internet“ wurde 2017 im transcript Verlag, Deutschland, veröffentlicht. Es basiert auf Manuela Naveaus Dissertation, für die sie 2016 vom Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft mit dem Award of Excellence ausgezeichnet wurde.