Lebertransplantation zu COVID-19-Zeiten

Wie Spenderlebern außerhalb des Körpers behandelt werden und ein Zeitgewinn für Covid-19-Testung erreicht wird.

Auf der Intensivstation geht der Alarm, das Team weiß was zu tun ist, jeder Handgriff ist routiniert, jahrelang erprobt – bei Patient*innen. Wenn aber plötzlich auf einer spezialisierten Intensivstation auch menschliche Spenderlebern gleich wie Patient*innen zu überwachen sind, braucht es neue Abläufe und entsprechendes Knowhow. Dass der Einsatz von Maschinen, die Spenderlebern nach der Entnahme auf Körpertemperatur quasi am Leben erhalten, Vorteile bringen, wurde bereits in mehreren Studien belegt. In Innsbruck wurde Anfang 2018 das Gerät „Metra“, das die Aufbewahrung des Spenderorgans außerhalb des Körpers für bis zu 40 Stunden ermöglicht, für Lebertransplantationen in Betrieb genommen.

Covid-19: Testung vor dem Eingriff

Das Lebertransplantationsprogramm kann trotz der Covid-19-Pandemie und dem Bedarf an intensivmedizinischen Plätzen weitergeführt werden und auch hierbei bewährt sich die „Metra“. „Uns verschafft der Einsatz des Gerätes viel mehr Zeit“, sagt Stefan Schneeberger, Leiter der Innsbrucker Transplantationschirurgie. Dies ermöglicht es auch, eine/n potentielle Spender*in sowie das Organ auf eine mögliche Covid-19-Infektion hin testen zu lassen. „Nur bei einem negativen Test ist es möglich, diesen lebensrettenden, aber auch schwerwiegenden Eingriff durchzuführen. Ohne diese Gewissheiten könnte die Operation nicht stattfinden“, betont Schneeberger. Ohne Maschinenperfusion, also bei einer klassischen Kühlung, sollte eine Spenderleber rund zehn Stunden nach der Entnahme transplantiert werden.

Forscher Schneeberger
© Florian Lechner

Über den/die Forscher*In

Stefan Schneeberger ist Professor an der Medizinischen Universität Innsbruck und stellvertretender Leiter der Universitätsklinik für Visceral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie sowie Leiter der Transplantationschirurgie & Hepatobiliäre Chirurgie. Nach seinem Medizinstudium in Innsbruck absolvierte er auch dort seine Facharztausbildung in Allgemein- und Viszeralchirurgie. Nach zahlreichen USA-Aufenthalten zB. University of Pittsburgh Medical Center (UPMC), Pittsburgh und Johns Hopkins Medical University, Baltimore kehrt er im Jahr 2010 nach Tirol zurück – zunächst in Teilzeit und parallel zu seiner Tätigkeit an der Johns Hopkins University in Baltimore. Seit 2014 liegt sein Lebensmittelpunkt wieder zur Gänze in Tirol. Schneeberger ist Mitglied zahlreicher Forschungs- und Medizingesellschaften.