Lockdown: Auswirkungen auf Hund und Katz‘

Der Lockdown beeinflusst nicht nur Menschen, sondern hat auch Einfluss auf das Verhalten der Haustiere, weiß Verhaltensexpertin Nadja Affenzeller.

Während des Lockdowns verändert sich der gewohnte Tagesablauf nicht nur für Menschen von heute auf morgen, auch unsere Haustiere sind davon betroffen. Mangelnde Vorhersehbarkeit und intensives Zusammenleben in den eigenen vier Wänden – die Corona-Krise stellt auch so manchen Vierbeiner auf die Probe. Nicht selten sind Verhaltensauffälligkeiten die Folge. 

Überforderung

Heischen nach Aufmerksamkeit, vermehrtes Bellen, Stress, Nervosität, Aggressionen gegenüber Artgenossen und/oder Probleme mit der Stubenreinheit – laut Nadja Affenzeller, Verhaltensexpertin an der Vetmeduni Vienna, sind derartige Verhaltensauffälligkeiten ein Zeichen dafür, dass die Tiere mit der aktuellen Lebenssituation überfordert sind. Auch bereits vorhandenes Problemverhalten bei Vierbeinern kann sich z. B. durch zu viel Nähe verschlimmern.

Rückzugsmöglichkeiten schaffen

In solchen Situationen sollten Tierhalter*innen auf die Bedürfnisse des Hundes/der Katze Rücksicht nehmen und den Tieren Rückzugsmöglichkeiten bieten. „Tierbesitzer*innen sollten versuchen zu analysieren, was sich bei ihren Tieren während des Lockdowns verändert hat und wie sie am besten wieder zu ihrer Routine zurückfinden. Bei der Analyse können auch verhaltensmedizinisch geschulte Tierärzt*innen sowie speziell ausgebildete Tiertrainer*innen helfen“, so Nadja Affenzeller. 

Praxistipps für die Lockdown-Phase:

Folgende Tipps können dazu beitragen, eine gewisse Routine in den „neuen“ Alltag zu bringen:

  • Gewohnten Tagesablauf  so gut wie möglich  einhalten.
  • Fixe Zeiten beim Gassi- und Spazierengehen mit dem Hund einplanen. 
  • Spielregeln vorgeben: Nicht jeder Aufforderung zur Interaktion mit dem Hund/der Katze nachkommen. Fordern Sie aktive Spielminuten ein, verweigern Sie diese jedoch ab und an auch. 
  • Nicht jedes Tier möchte gestreichelt werden und empfindet körperliche Nähe als positiv. Rufen Sie Ihren Hund/Ihre Katze besser zu sich, anstatt aktiv auf das Tier zuzugehen. Halten Sie dabei Streichel- und Kuschelrituale eher kurz. 
  • Dem eigenen Tier Freiraum geben und ihm erlauben, sich zurückzuziehen. Während der Ruhezeiten auf das Streicheln und Spielen verzichten.
  • Futterspielzeuge, Futtersuchspiele oder Schnüffelteppiche fördern die Selbstbeschäftigung.
Nadja Affenzeller Veterinärmedizinerin
© Michael Bernkopf

Über den/die Forscher*In

Nadja Affenzeller ist Veterinärmedizinerin an der Universitätsklinik für Kleintiere und Pferde (Abteilung Interne Medizin Kleintiere) der Veterinärmedizinischen Universität Wien und beschäftigt sich mit Verhaltensmedizin bei Hunden und Katzen.