Medikamenten-Entwicklung mit Peptiden aus der Natur

In Zukunft können durch die Entdeckung möglicherweise gezielt Erkrankungen therapiert und unerwünschte Nebenwirkungen vermieden werden.

Ein aus Milben gewonnenes Peptidhormon aktiviert am menschlichen Vasopressin-2-Rezeptor einen bestimmten sekundären Botenstoff. Dieser Nachweis gelang einer vom Institut für Pharmakologie der MedUni Wien geleiteten wissenschaftlichen Arbeitsgruppe.

Die betreffende Studie wurde in Kooperation mit der Universität Wien und ForscherInnen aus Australien durchgeführt. „Das Ergebnis zeigt, dass sich aus Arthropoden (Gliederfüßern) isolierte Peptide sehr gut eignen, um bei dieser Klasse von menschlichen Rezeptoren gezielte, molekulare Werkzeuge oder Wirkstoffe herzustellen“, sagt Studienleiter Christian Gruber vom Institut für Pharmakologie der MedUni Wien. Dadurch könnten in Zukunft möglicherweise gezielt Erkrankungen therapiert und unerwünschte Nebenwirkungen vermieden werden.

Wie Christian Gruber und seine Arbeitsgruppe Peptide gewinnen, analysieren und beforschen, können Sie im Kurzvideo sehen.

Üblicherweise aktivieren Medikamente an derartigen Rezeptoren verschiedene molekulare Signalwege in den Zellen. Das führt zu erwünschten, aber auch unerwünschten Wirkungen. Die erwähnte Studie erbrachte nun den Nachweis, dass Peptide als chemische Werkzeuge genutzt werden können, um die Mechanismen der Signalweiterleitung in Zellen besser zu verstehen.

Rund 30 Prozent aller Medikamente wirken an den genannten G Protein-gekoppelten Rezeptoren, allerdings werden oftmals gleichzeitig, und nicht selektiv, verschiedene molekulare Signalwege in den Zellen aktiviert, was in seltenen Fällen zu fatalen Nebenwirkungen führen kann. Jetzt scheinen die Wiener GrundlagenforscherInnen eine Möglichkeit erschlossen zu haben, um die Wirkstoffe gezielter einzusetzen.  

Vasopressin-ähnliche Wirkstoffe für den V2R werden in der Klinik zum Beispiel bei „Diabetes insipidus“ eingesetzt; symptomatisch für diese Krankheit sind eine vermehrte Urinausscheidung und ein gesteigertes Durstgefühl. Weitere Einsatzbereiche sind z.B. Bettnässen, oder besondere Formen der Hämophilie (Bluterkrankheit).

© MedUni Wien/Matern

Über den/die Forscher*In

Assoc. Prof. Priv.-Doz. BAppSc (Hons) Dr. PhD Christian Gruber studierte Biochemie und Molekulare Biotechnologie und promovierte an der University of Queensland im Fach Molekulare Biowissenschaften. Er ist Associate Professor am Zentrum für Physiologie und Pharmakologie der Medizinischen Universität Wien und wurde 2015 zum „Inventor of the Year“ der MedUni Wien gewählt. Seine Forschungsarbeit zielt unter anderem darauf ab, aus Naturstoffen potentielle Therapeutika zu gewinnen.