Mit dem Eselkarren auf dem digitalen Datenhighway

Wie war man in der römischen Kaiserzeit unterwegs? Ein zwei Millionen-EU-Projekt folgt den antiken Transportwegen zwischen Adria und Donau.

Autobahnen, die uns schnell ans Mittelmeer bringen, sind keine Erfindung der Gegenwart. Bereits die Römer*innen verfügten über ein ausgeklügeltes Verkehrsnetz zwischen Adria und Donau. Diese vor allem für den Handel wichtigen Wege wird Leif Scheuermann, Wissenschafter am Zentrum für Informationsmodellierung der Universität Graz, digital wiederauferstehen lassen. Mithilfe einer der höchsten Forschungsförderungen der EU, einem ERC Grant in der Höhe von knapp zwei Millionen Euro. 

Das Wetter beeinflusst

Das Projekt STRADA wird uns ins erste Jahrhundert nach Christus zurückkatapultieren. Eine umfassende Darstellung soll die römischen Routen auf Land und Wasser exakt nachzeichnen. Wie schnell kam man in der Antike von Aquileia an der Adria ans heutige Enns an der Donau, auf Straßen und Flüssen, zu unterschiedlichen Jahreszeiten und bei jeder Witterung? Diese Fragen will Projektleiter und ERC Grant-Träger Leif Scheuermann beantworten.

Wägen für die Simulation

Der Historiker und sein Team werden dazu nicht nur die Verbindungen mit einem computergestützten Simulationssystem rekonstruieren, sondern wollen auch die einstigen Verhältnisse buchstäblich hautnah erlebbar machen. Menschen und Tiere, wie Maulesel und Pferde des österreichischen Bundesheeres, werden das Tragen der Lasten nachstellen. Originalgetreue Nachbauten von Schiffen und Karren – in Kooperation mit dem Archäologischen Park und Archäologiemuseum des Landschaftsverband Rheinland in Xanten (D) und der Universität Trier (D) – sollen das wirklichkeitsnahe Bild vervollständigen. Alle Daten werden schließlich auf einer webbasierten Plattform digital zusammenfließen.

Wirtschaftliche Auswirkungen

Scheuermann: „Wir wollen wissen, wie die Menschen früher mit Änderungen umgegangen und welche Auswirkungen hatte das auf die Ökonomie sind.“ Denn klar ist, so der Forscher, Transportzeiten spielen für den wirtschaftlichen Erfolg eine entscheidende Rolle. Damals wie heute. Ist es gegenwärtig die Corona-Pandemie, so beeinflusste möglicherweise im dritten Jahrhundert ein zunehmend kühleres Klima den Handel. Mit massiven Folgen, wie der Historiker vermutet: „Die vielen Luxusprodukte, für die die Römer bekannt sind, kamen nicht an die Donau, und das in den Alpen produzierte Fleisch erreichte nicht die Großstädte am Mittelmeer.“

PH Dr. Leif Scheuermann,
© Scheuermann

Über den/die Forscher*In

PH Dr. Leif Scheuermann, MA, forscht seit 2016 am Zentrum für Informationsmodellierung der Universität Graz. Er leitet das Projekt STRADA (Simulation of Transport between the Adriatic Sea and the Danube), das die Europäische Kommission mit einem ERC Grant in den kommenden fünf Jahren mit 1,9 Millionen Euro fördert.