MoreGrasp: Gedankengesteuerte Prothesen

Bei einer Querschnittlähmung ist die Kommunikation zwischen Gehirn und dem Rest des Körpers kaputt. Gernot Müller-Putz und sein Forschungsteam an der TU Graz arbeiten an einer Art Umleitung, die Betroffenen große Erleichterungen bringt.

Alle unsere Bewegungen werden von unserem Gehirn gesteuert. Es gibt Befehle, die unser Nervensystem in die betreffenden Körperteile weitergibt. Der Hauptverkehrsweg ist dabei das Rückenmark, das eingebettet in unsere Wirbelsäule vom Kopf bis zu unserem Becken reicht. Wird das Rückenmark verletzt, dann ist die Hauptverkehrsader unterbrochen und Befehle können zwar bis zur Verletzung, aber nicht mehr weiter nach unten geleitet werden. Sitzt die Verletzung tief unten im Rücken, dann können zum Beispiel die Beine nicht mehr bewegt werden – sitzt die Verletzung weiter oben, dann können auch die Arme beeinträchtigt sein. Betroffene stehen im Alltag vor großen Herausforderungen: Sogar nach einem Glas zu greifen oder eine Gabel zu halten ist oft nicht mehr möglich, weil die Finger nicht mehr geöffnet und geschlossen werden können.

Gernot Müller-Putz und sein Team am Institut für Neurotechnologie der TU Graz wollen helfen. Sie arbeiten an einer Art Umleitung für unsere Befehle.

„Wir nutzen das sogenannte ‚attempted movement‘ – also den Versuch, eine bestimmte Bewegung auszuführen“, erklärt Müller-Putz. Die Proband*innen versuchen dabei die Bewegung – zum Beispiel den Griff nach einem Glas Wasser – auszuführen, die Sensoren am Kopf erkennen die entsprechenden Signale, leiten sie an die Prothese weiter und die Prothese stimuliert die Muskeln, die die Finger bewegen. Ein ausgelagertes Nervensystem quasi. „Wir arbeiten jetzt mit Signalen, die sich nur ganz geringfügig voneinander unterscheiden und dennoch gelingt es uns, die Neuroprothese damit erfolgreich anzusteuern. Für die Nutzerinnen und Nutzer ergeben sich dadurch völlig neue Möglichkeit, die deutliche Erleichterungen mit sich bringen werden.“

© Lunghammer TU Graz

Über den/die Forscher*In

Gernot Müller-Putz leitet das Institut für Neurotechnologie der TU Graz. Er hat sich zum Ziel gesetzt, mittels Brain-Computer-Interfaces das Leben querschnittgelähmter Personen einfacher zu machen.