Multiresistente Keime: Ratten als mögliche Quelle

Ratten und die Pest – über Jahrhunderte galten die kleinen Nager in Europa als Bedrohung. Doch von Ratten geht auch heute eine große Gefahr aus. Denn die Tiere sind in städtischen Gebieten mit Keimen infiziert, die gegenüber Medikamenten wie Antibiotika unempfindlich sind – das zeigt eine Studie der Vetmeduni Vienna, der Österreichischen Agentur für Ernährungssicherheit (AGES), der Freien Universität Berlin sowie dem Leibniz-Institut für Photonische Technologien.

Ratten besiedeln das Abwassersystem und ernähren sich mit Vorliebe von dem, was wir Menschen entsorgen: Müll. Genau das macht die Tiere zu einer potenziellen Bedrohung für die menschliche Gesundheit. Denn sie kommen häufig mit Fäkalien und Verrottetem in Kontakt und können so multiresistente Keime aufnehmen, die sie wiederum verbreiten.

Wiener Stadtratten als Keimträger

Die Wissenschafter*innen fingen insgesamt 76 Ratten in städtischen und ländlichen Gebieten. Es zeigte sich, dass jede siebente Ratte, die in der Wiener Innenstadt gefangen wurde, multiresistente Enterobakterien in sich trug. Bei mehr als der Hälfte der Tiere in Wien (59,7 Prozent) wurden gefährliche, multiresistente Staphylokokken nachgewiesen. Zudem wurde eine infizierte Ratte in einem Grünbereich gefangen, die von Obdachlosen als Schlafstelle genutzt wird. Dieser Umstand erhöht das Risiko der Verbreitung multiresistenter Keime zusätzlich.

Bekämpfung von Ratten und Co. essenziell

Immer mehr Menschen wohnen in urbanen Gebieten und kommen dadurch unweigerlich in Kontakt mit der dort ansässigen Tierwelt. Das warme Mikroklima in Städten begünstigt die Entstehung von Krankheiten, die von wildlebenden Tieren auf den Menschen übertragen werden können. Aufgrund der hohen Häufigkeit multiresistenter Keime ist und bleibt die Bekämpfung von Ratten, aber auch anderer Nagetiere wie Mäuse, in Städten eine wichtige Priorität für die öffentliche Gesundheit.

Gewinn für die Wissenschaft

Trotz ihres schlechten Rufes sind die kleinen Nagetiere nützlich für die Wissenschaft. Ratten sind in städtischen Gebieten allgegenwärtig und kommen mit allen Arten von Abwässern in Berührung. Die Wissenschaft macht sich dies zu Nutze, um Informationen über mögliche Antibiotikaresistenzen bei Ratten in der urbanen Umgebung zu gewinnen.

© CHS

Über den/die Forscher*In

Amélie Desvars-Larrive is Assistant Professor in Infection Epidemiology in the Unit of Veterinary Public Health and Epidemiology, Vetmeduni Vienna, and a faculty member of the Complexity Science Hub Vienna. Her research interests include infectious disease epidemiology, veterinary epidemiology and public health, modelling of infectious diseases, the One Health approach, and rat-borne diseases. Her project focused on urban brown rats and their role in the epidemiology of (emerging) zoonotic diseases.

Der Artikel „Urban brown rats (Rattus norvegicus) as possible source of multidrug-resistant Enterobacteriaceae and meticillin-resistant Staphylococcus spp., Vienna, Austria, 2016 and 2017“ von Amélie Desvars-Larrive, Werner Ruppitsch, Sarah Lepuschitz, Michael P Szostak, Joachim Spergser, Andrea T. Feßler, Stefan Schwarz, Stefan Monecke, Ralf Ehricht, Chris Walzer und Igor Loncaric wurde in Eurosurveillance veröffentlicht.