Musik: Eine Behandlungsmethode, die Freude bereitet

Der renommierte Salzburger Schmerzforscher Professor Günther Bernatzky untersucht gemeinsam mit Dr. Katarzyna Grebosz-Haring von der Universität Mozarteum die vorbeugende und heilende Wirkung von Musik, Gesang und Bewegung auf Parkinson-Patient*innen.

„Es ist von alters her bekannt, dass Musik unsere Stimmung verändern kann“, sagt Professor Günther Bernatzky vom Fachbereich Ökologie und Evolution der Universität Salzburg. Dabei hänge es aber von verschiedenen Faktoren ab, ob und in welchem Ausmaß Musik auf den einzelnen wirkt. So spielen psychologische Faktoren wie etwa die musikalische Kompetenz, physiologische Faktoren wie Empfindlichkeit und Reaktionsvermögen, aber auch soziale Aspekte eine Rolle.

„Welche Art von Musik eine positive Rolle spielen kann ist individuell sehr unterschiedlich“, so Bernatzky. So habe beispielsweise der Radetzky-Marsch auf viele Parkinson-Patient*innen eine aktivierende, belebende Wirkung. Die Wissenschaftler*innen stellten dabei eine erhöhte Produktion des Glückshormons Dopamin bei den Patient*innen fest. Dennoch wirke auf jeden Menschen eine andere Musik. „Unser Musikgeschmack ist von unserer sozial-kulturellen Umgebung beeinflusst. Wichtig ist, dass man die Musik mit Kopfhörer“ hört, weil die Lautstärke eine wesentliche Rolle spielt. Was für den einen angenehm ist, verursacht bei dem anderen Stress.

Professor Bernatzky und Dr. Katarzyna Grebosz-Haring  haben nun vor, eine Studie mit 90 Parkinson-Patient*innen durchzuführen. Die Patient*innen werden in drei Gruppen zu je 30 Personen unterteilt. „Eine Gruppe hört eine therapeutische Musik CD, mit der zweiten Gruppe wird ein Chor gebildet, der drei Monate lang gemeinsam jeden Montag singt und die dritte Gruppe stellt die sogenannte Kontrollgruppe dar und nimmt an keinen Aktivitäten teil. Die Kontrollgruppe darf im Anschluss auf Wunsch in den Chorgesang gehen. Das Neue und bislang noch unerforschte ist die Chorgruppe, die nicht nur singt, sondern sich dabei auch bewegt. „Wir sind überzeugt, dass sich eine rhythmische Bewegung verbunden mit Gesang und gezielter Atmung positiv auf die Patient*innen auswirkt“, so Grebosz-Haring.  

Gemessen wird die Wirkung der Musik und des Gesangs an Speichelproben der Patienten. Grebosz-Haring entnimmt die Proben und lässt den Cortisol-, Dopamin-, und Endophinspiegel bestimmen. „Wir wissen, dass wir die Menschen mit Musik nicht heilen können“, sagt Bernatzky. Als ergänzende Behandlungsmethode kann sie aber die Lebensqualität und das Wohlbefinden deutlich verbessern.

Die Teilnahme an der Studie ist kostenlos, Fahrtkosten werden ersetzt. Interessierte können sich unter guenter.bernatzky@sbg.ac.at oder unter katarzyna.grebosz-haring@sbg.ac.at anmelden.

© Andreas Kolarik

Über den/die Forscher*In

Der Schmerzforscher Günther Bernatzky ist als außerordentlicher Universitätsprofessor am Fachbereich Ökologie und Evolution der Universität Salzburg tätig. Seine Forschungsschwerpunkte liegen u.a. in der Schmerzphysiologie bzw. -therapie bei verschiedenen Erkrankungen. Katarzyna Grebosz-Haring ist Senior Scientist und Ko-Leiterin des Programmbereichs ConTempOhr am Schwerpunkt Wissenschaft und Kunst, einer Kooperation von Universität Salzburg und Universität Mozarteum. Sie forscht u.a. über die Wirkung von Musik bei Kindern und Jugendlichen.