Neue Technik, neue Fragezeichen

Ob selbstfahrende Autos, Sprachlerntechnik oder Hightech-Prothesen: Roboter halten Einzug in alle Lebensbereiche. Mark Coeckelbergh und Michael Funk stellen sich den damit verbundenen ethischen, rechtlichen und sozialen Fragen und formulieren Grundsätze für die Roboterforschung.

Roboter kennen viele aus Science Fiction-Filmen, doch sind sie weit mehr als Menschen und Tieren nachempfundene Maschinen. Bereits heute sind sie überall: Als Hightech-Prothesen werden sie in der Medizin eingesetzt; Kinder verbessern mit intelligentem Spielzeug ihre sprachlichen Fähigkeiten. Sportler*innen vertrauen auf Smartwatches, die bequem am Körper getragen werden können und auch Eingang in die Arbeitswelt finden.

Der rapide technologische Wandel schafft Vorteile, wirft aber auch ethische und rechtliche Fragen auf. Unlängst sorgten auch interaktive Puppen für mediale Debatten: Was für die einen harmlose Spielzeuge sind, identifizierten die anderen als Datenschutzrisiko.

International und interdisziplinär

Hier setzt das Projekt „Inclusive Robotics for a better Society“ (INBOTS) an, das im Horizon 2020-Programm der EU finanziert wird. Mit den Philosophen Mark Coeckelbergh und Michael Funk ist auch die Forschungsgruppe Medien- und Technikphilosophie an der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft der Universität Wien als Projektpartnerin beteiligt.

Das Zauberwort bei INBOTS heißt Inklusion. „Ein inklusiver Ansatz wirkt einer technologischen Entwicklung entgegen, von der lediglich manche profitieren, andere aber ausgeschlossen bleiben oder einseitig Nachteile in Kauf nehmen müssen“, erläutert Mark Coeckelbergh. „Wir untersuchen die Konsequenzen technologischer Entwicklungen und fokussieren auf den zukünftigen gesellschaftlichen Umgang mit neuer Robotertechnik: Werden nur die Expert*innen gefragt oder auch die Öffentlichkeit in die Entscheidungsprozesse einbezogen? Die Vision des Projekts ist eine Verbesserung von Kommunikation und gegenseitigem Verständnis aller Beteiligten.“

Forschung für alle

Dies setzt voraus, dass Projektergebnisse sichtbar und leicht zugänglich sind. Die Projektpartner*innen organisieren öffentliche und Fachkonferenzen, engagieren sich in der Politikberatung und erstellen Berichte in allgemeinverständlicher Sprache, die über die Webseite der Europäischen Kommission abgerufen werden können. „Wir klären Grundbegriffe, vermitteln einen Überblick über derzeitige Entwicklungen in der Robotik und untersuchen die damit verbundenen gesellschaftlichen Veränderungen und Effekte auf verschiedene Personengruppen“, erklärt Michael Funk.
„Das Recht hinkt der Entwicklung neuer Technologien und ihrer vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten meist hinterher. Unsere Aufgabe als Philosophen besteht auch darin, ethische Grundsätze für die Roboterforschung zu formulieren und für alle Beteiligten nachvollziehbar zu begründen.“ (jr)

© Barbara Mair

Über den/die Forscher*In

Mark Coeckelbergh ist Professor für Medien- und Technikphilosophie an der Universität Wien. Gemeinsam mit Michael Funk von der Forschungsgruppe Medien- und Technikphilosophie der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft forscht er im Projekt „Inclusive Robotics for a better Society“ (INBOTS), das vom Horizon 2020-Programm der Europäischen Kommission gefördert wird und von Jänner 2018 bis Dezember 2020 läuft. Das Projekt, das vom Consejo Superior de Investigaciones Científicas, CSIC in Spanien koordiniert wird, vereinigt 25 Partner aus 12 europäischen Ländern.
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