Postboten der Zukunft

Drohnen als moderne Brieftauben und selbstfahrende E-Autos als städtische Lieferdienste: An der TU Graz beschäftigen sich Forschende mit neuen Zustelltechnologien.

Wie können Pakete und Briefe auch in die entlegendsten Winkeln der Erde zugestellt werden? Und wie lässt sich die Postzustellung in der Stadt einfacher, sicherer und umweltfreundlicher gestalten? Antworten auf diese Fragen liefern Forschende der TU Graz, die Drohnen und Fahrzeugen das „Sehen und Denken beibringen“. 

Selbstfliegende Luftpost

Am Institut für Maschinelles Sehen und Darstellen der TU Graz entwickeln Friedrich Fraundorfer und sein Team intelligente Technologien, mit deren Hilfe selbstfliegende Drohnen „sehen“, wo sie hinfliegen und sich dementsprechend bewegen können. „Unsere Drohnen haben Kameras und einen Computer für die Bildauswertung an Bord. So können sie Zusammenstöße mit Personen oder Objekten verhindern. Starts und Landungen werden dadurch sicherer“, erklärt Fraundorfer. Er hat den Einsatz solcher Drohnen gemeinsam mit der Österreichischen Post getestet und Briefe sowie Päckchen erfolgreich per Flugpost an entlegene Bauernhöfe zugestellt. Die Drohnenzustellung wird dann zum Alltag werden, wenn die Erfindung wirtschaftlich rentabel ist – was noch einige Zeit dauern könnte.

Selbstfahrendes Postauto

Neue Erfindungen gibt es auch für die Straße: Gemeinsam mit der Energie Steiermark haben die Österreichische Post und ein Team des Instituts für Softwaretechnologie der TU Graz ein elektrisch betriebenes Roboterfahrzeug entwickelt, das Pakete in der Stadt eigenständig zustellen kann. Das ist aufgrund des elektrischen Antriebs zum einen umweltfreundlich und zum anderen auch sicherer, da keine Menschen mehr das Fahrzeug lenken.

Für den Roboter wurde ein normales zweisitziges Elektrofahrzeug – der sogenannte „Jetflyer“ der heute schon von Postboten gefahren wird – aufwendig umgebaut. Es wurde mit Sensoren ausgestattet, die „Hindernisse“ wie Fußgänger*innen oder Fahrradfahrende rechtzeitig erkennen können. Der Fahrersitz wurde zugunsten von Paketboxen verkleinert, zusätzlich wurde ein Computer mit jener Software eingebaut, die dafür sorgt, dass das Fahrzeug ohne Bedienung durch eine menschliche Person fahren kann. „Wir haben das Konzept mit kleineren, selbstfahrenden Roboterfahrzeugen erprobt und unsere Erkenntnisse maßgeschneidert auf den Jetflyer umgelegt“, erklärt TU Graz-Robotikexperte Gerald Steinbauer, der mit seinem Team seit Jahren erfolgreich an selbstbestimmten Robotern arbeitet.

© Johannes Fraundorfer

Über den/die Forscher*In

Friedrich Fraundorfer ist Assistenzprofessor am Institut für Maschinelles Sehen und Darstellen der TU Graz, wo er eine Forschungsgruppe zum Thema „Kameradrohnen leitet“. Zu seinen Hauptforschungsgebieten zählen 3D-Computer-Vision und deren Einsatz für die Robotik unter Verwendung moderner Verfahren des maschinellen Lernen. Fraundorfer war und ist an mehreren internationalen und multinationalen Forschungsprojekten als Projektleiter, Forscher und Mitarbeiter beteiligt.
© Melbinger

Über den/die Forscher*In

Gerald Steinbauer forscht am Institut für Softwaretechnologie der TU Graz. Sein Fachgebiet ist die Robotik. Er beschäftigt sich mit autonomen und mobilen Robotern sowie deren modellbasierter Diagnose, ist Supervisor für das TU Graz-RoboCup-Studierendenteam und war maßgeblich an der Entwicklung des Ausbildungsprogramms EDLRIS, dem Europäischen Führerschein für Robotik und Künstliche Intelligenz.