Preisnachlass unterstützt regelmäßigere Medikamenteneinnahme

Gesundheitsökonom Marcel Bilger von der Wirtschaftsuniversität Wien zeigt in einer Studie, dass schon allein die Gewährung von Rabatten auf Behandlungskosten zu einer regelmäßigeren Medikamenteneinnahme bei chronischen Erkrankungen führt.

Rheuma, Diabetes oder Asthma – chronische Erkrankungen zählen zu den häufigsten und wirtschaftlich bedeutsamsten Gesundheitsproblemen reicher Länder. Da Medikamente gerade bei derartigen Erkrankungen nicht sofort wirken, lassen viele Patientinnen und Patienten ihre Erkrankungen unbehandelt. Gerade die mangelnde Medikamenteneinnahme stellt weltweit ein Problem der allgemeinen Gesundheit dar – sie fordert nicht nur zahlreiche vermeidbare Todesfälle und schwere Krankheitsverläufe, sondern verursacht auch hohe wirtschaftliche Kosten für ein Gesundheitssystem.

Monatliche Rabatte von unter 6 US-Dollar ausreichend

Neueste Studien gehen davon aus, dass selbst in reichen Ländern 50 Prozent der chronischen Erkrankungen unbehandelt bleiben. Bisherige Versuche, die regelmäßige Medikamenteneinnahme – etwa durch billigere Medikamente – zu fördern, zeigten nur wenig Erfolg und waren sehr teuer. WU-Professor Marcel Bilger, Leiter der Abteilung Health Economics and Policy, führte daher gemeinsam mit Forschern der Duke-NUS Medical School (Singapur) und des Singapore National Eye Center ein Experiment zu verhaltensabhängigen Rabatten mit 100 Glaukom-Betroffenen durch. Glaukom bezeichnet eine Reihe von Augenkrankheiten, die eine dauerhafte Schädigung des Sehnervs verursachen. Im Rahmen der Studie bekamen die Personen, die ihre Medikamente wie vom Arzt verschrieben einnahmen, als „Belohnung“ Rabatte auf die Behandlungskosten. Preisnachlässe in der Höhe von 5,94 US-Dollar monatlich reichten aus, um die Zahl jener Personen zu steigern, die ihre Medikamente regelmäßig im vorgeschriebenen Ausmaß nehmen. Nach 6 Monaten nahmen die TeilnehmerInnen mit den Rabatten ihre Medikamente an ca. 132 Tagen (=73,1% der Tage) vollständig ein. Das waren fast 30 Tage mehr als ihre Vergleichsgruppe.

Mögliche günstige Lösung

Studienautor Marcel Bilger erklärt: „Unbehandelte, chronische Erkrankungen sind ein großes Problem – für die Kranken, aber auch für die Gesundheitssysteme. Diese Studienergebnisse zeigen einen möglichen, günstigeren Weg auf, um Verbesserungen zu schaffen. Der schnelle Zusatznutzen, den die PatientInnen bei regelmäßiger Medikamenteneinnahmen erfahren, motiviert zur weiteren Therapie. Dadurch bleiben Betroffene länger gesünder.“

Marcel Bilger
© Wirtschaftsuniversität Wien

Über den/die Forscher*In

Marcel Bilger hält seit 2018 die Stiftungsprofessur für Health Economics am Department für Sozioökonomie der WU. In seiner Forschung widmet er sich der Gesundheitsökonomie, der Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit von Gesundheitssystemen und der Gesundheitsfinanzierung. Einen besonderen Schwerpunkt legt er auf veränderbare gesundheitliche Risikofaktoren wie Übergewicht (Adipositas), Bewegungsmangel und Nichteinnahme von Medikamenten und deren Auswirkungen auf Gesellschaft und Gesundheitssysteme.