SARS-CoV-2 und HIV: Entscheidende Unterschiede

Wie Erkenntnisse über das HI-Virus die Corona-Forschung beeinflussen.

Das HI-Virus (HIV, Human Immunodeficiency Virus) greift bestimmte Zellen (T-Lymphozyten) des menschlichen Immunsystems an. Eine unbehandelte HIV-Infektion führt zum Verlust dieser Immunzellen und damit zu einer verminderten Funktionsfähigkeit des Immunsystems. Von AIDS (Acquired Immunodeficiency Syndrome) spricht man, wenn infolge einer solchen Abwehrschwäche durch HIV ganz bestimmte Krankheiten auftreten. Fast alle dieser Krankheiten kommen bei Menschen mit normalem Immunsystem nicht vor. Ähnlichkeiten zu SARS-CoV-2 und COVID-19 können durchaus in den Sinn kommen, weil auch bei diesen Infektionen T-Lymphozyten geschädigt werden.

Seit Mitte der 1990er Jahre gibt es äußerst wirksame Therapien gegen HIV, mit denen AIDS verhindert wird und die Betroffenen bei guter Lebensqualität eine fast normale Lebenserwartung haben. Neueste Studien zeigen, dass die HIV-Therapie derart wirksam ist, dass HIV-positive Menschen grundsätzlich nicht mehr ansteckend sind, sofern sie ihre HIV-Therapie wie verordnet einnehmen und ihre Virenlast nicht mehr nachweisbar ist. Die Therapien gegen das HI-Virus erweckten auch Hoffnungen, das neue Coronavirus SARS-CoV-2 gut zu bekämpfen. Was aus diesen Hoffnungen geworden ist, erklärt Mario Sarcletti, leitender Oberarzt im HIV / AIDS – Bereich der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie im Interview:

© David Bullock

Über den/die Forscher*In

Der gebürtige Deutsche Mario Sarcletti studierte in Innsbruck Medizin und ist Oberarzt und Assistenzprofessor an der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie Innsbruck. Seit 2017 ist er Leiter der HIV/AIDS/STD Station/Ambulanz der Innsbrucker Hautklinik.