Senior*innen im Lockdown: Weniger Sport, mehr Familie

Wie gehen ältere Menschen mit der Herausforderung des Lockdowns um? Diese Fragen stellen sich Forscher*innen der Wirtschaftsuniversität Wien.

Erfolgreich altern, körperlich aktiv und geistig fit bleiben – ein Ziel für viele. Doch machen die von der Regierung verordneten COVID-19-Lockdowns dem einen Strich durch die Rechnung? Lukas Richter und Theresa Heidinger haben auf Basis der Daten von 500 Personen im Alter von 60 oder älter untersucht, wie sich ihr Verhalten während des ersten Lockdowns verändert hat.

Ältere Menschen halten sich an die Vorgaben

Social Distancing hat einen zweischneidigen Effekt auf Menschen über 60. Der Lockdown wirkt sich besonders auf körperliche Aktivitäten aus: 36 Prozent der Befragten trainieren weniger als üblich, 17 Prozent sogar gar nicht mehr.

Dahingegen nimmt die geistige Aktivität im Lockdown zu: Senior*innen schauen mehr fern und lesen mehr Zeitung. Sie sind somit geistig aktiver. Alltagsaktivitäten wiederum leiden unter dem Lockdown stark: Die Hälfte der Befragten ging seltener einkaufen, ein Viertel sogar gar nicht mehr. Ebenso viele stellten ehrenamtliche Aktivitäten ein. 

„Die Pandemie hat Familien näher zusammengebracht“.

Lukas Richter

Am meisten überraschte die Forscher*innen, dass die Pandemie einen positiven Einfluss auf die Anzahl der sozialen Kontakte älterer Menschen hatte: 81 Prozent der Befragten haben mehrfach in der Woche mit ihren Kindern und Enkelkindern gesprochen. Aber auch der Kontakt mit Freund*innen stieg im Lockdown an.

Warum wir mehr als Lockdowns brauchen, um alte Menschen zu schützen

Die Studie zeigt, dass erfolgreiches Altern während der COVID-19 Pandemie eine Herausforderung ist. So führt das Befolgen der Maßnahmen um Erkrankungen zu verhindern, häufig zur Reduktion der aktiven Gestaltung des Lebens und zu weniger körperlichen Aktivitäten.

Dies wiederum vermindert die Chance zur Vermeidung von Krankheiten. Die Studienautor*innen dazu: „Die Ergebnisse zeigen, dass der Lockdown nicht die einzige Lösung für alte Menschen sein kann. Wir brauchen dringend Konzepte, die ein erfolgreiches Altern auch in einer Pandemie ermöglichen.“ 

Lukas Richter von der Wirtschaftsuniversität Wien
© Wirtschaftsuniversität Wien

Über den/die Forscher*In

Lukas Richter studierte Sozioökonomie und ist aktuell an der Wirtschaftsuniversität Wien und der Fachhochschule St. Pölten tätig. Seine Forschungsschwerpunkte sind Ungleichheit, Alter(n) und Armut, wobei sein besonderes Forschungsinteresse (kumulativen) Benachteiligungen im Lebensverlauf gilt. Vor diesem Hintergrund setzt sich Herr Richter mit den Folgen der Pandemie bei älteren Menschen auseinander und erforscht Ungleichheiten, die durch die Pandemie entstehen oder zunehmen.