So wird man weise: Lebenskonflikte und Wendepunkte nutzen

Was bedeutet Weisheit eigentlich? Fällt sie einem Menschen zu wie eine Gabe, oder beruht sie auf Fähigkeiten, die sich sogar erlernen lassen? Die Weisheitsforscherin Judith Glück geht diesen Fragen auf den Grund.

Was und wieviel Menschen aus dem Leben lernen, ist höchst unterschiedlich. Die Psychologin Judith Glück stellt fest: „Es sind Lebenskonflikte und Wendepunkte, die die Entwicklung von Weisheit ermöglichen und wo sich Weisheit auch zeigt. Es gibt eine Wechselwirkung zwischen lebensverändernden Erfahrungen und psychologischen Ressourcen. Menschen, die bestimmte Ressourcen in hohem Maße aufweisen, können durch eine Erfahrung weiser werden, die bei anderen zu Verbitterung, Hilflosigkeit oder Rigidität führen kann.“

Fünf Prinzipien für ein gelingendes Leben

Offenheit für neue Perspektiven, Einfühlungsvermögen, Reflektiertheit, ein kluger Umgang mit den eigenen Gefühlen und Selbstvertrauen sind demnach wichtige Ressourcen. „Um weise Erkenntnisse aus Erfahrungen ziehen zu können, muss man sich intensiv mit dem Erlebten auseinandersetzen: die eigenen Gefühle nicht ignorieren oder verdrängen, sondern ihnen nachspüren und sich mit ihnen auseinandersetzen. Versuchen, sogar in einem schwierigen Konflikt die Perspektive der anderen Person zu verstehen. Andere nach ihrer Sichtweise fragen und diese ernst nehmen, auch wenn sie kritisch ist. Dieser Weg zur Weisheit kann steinig und anstrengend sein, und oft ist es leichter, sich einzureden, dass man Recht hat und die anderen Unrecht – eine Denkweise, die zweifellos kurzfristig das Wohlbefinden erhöht, der Entwicklung von Weisheit aber abträglich ist“, fasst Judith Glück zusammen.

Bedingungen von Weisheit

Für Glück liegt es aber nicht immer nur an jedem und jeder Einzelnen, weise zu handeln, sondern sie ortet auch weisheitsfördernde Bedingungen, wie sie beispielsweise im beruflichen Kontext vorhanden sind, oder auch nicht. Aktuell steht der Beruf der Lehrer*innen in ihrem wissenschaftlichen Fokus. Im Zuge ihrer Forschung fragt sie: Fördert oder hemmt das System Schule weises Handeln? Welche Strukturen sind dafür verantwortlich? Und wie kann es gelingen, innerhalb dieses Systems dennoch weise zu handeln?

Forscherin Judith Glück
© Daniel Waschnig

Über den/die Forscher*In

Judith Glück ist Professorin an der Abteilung für Entwicklungspsychologie an der Universität Klagenfurt. Sie will dem Konzept der „Weisheit“ auf die Spur kommen. Ihre Forschung bewegt sich in unterschiedlichen Kontexten – beispielsweise zur Frage, wie sich Weisheit in bestimmten Berufen ausdrückt, aber auch wie die Menschheit insgesamt weiser werden könnte.
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