Spurensuche in der Kläranlage

Wie Rückschlüsse auf den Drogenkonsum einer Region anhand von Abwässer gezogen werden.

Im Jahr 2019 analysierte die Gerichtsmedizin Innsbruck (GMI) an der Medizin Uni Innsbruck den Drogenkonsum anhand der Abwässer aus acht österreichischen und zwei Südtiroler Regionen. Damit lassen sich valide Aussagen über den Drogenkonsum von über 920.000 Menschen treffen. Bezogen auf die EinwohnerInnenzahl waren Graz, Innsbruck und Bozen mit jeweils über 100.000 BewohnerInnen die größten untersuchten Gemeinden. Federführend für die Untersuchungen zeichnet Herbert Oberacher, Leiter des forensisch-toxikologischen Forschungslabors an der von Richard Scheithauer geführten Innsbrucker Gerichtsmedizin.

Hohe Messgenauigkeit

Aufgrund der vorhandenen Expertise und Qualität darf das Innsbrucker Labor als einzige Einrichtung Österreichs am internationalen Programm zur Untersuchung von Drogen in Abwässer teilnehmen. Mit hochmodernen und entsprechend nachweisempfindlichen Analyseverfahren kann die Zusammensetzung von Abwässern im GMI-Labor exakt entschlüsselt werden. Dabei ist die Messgenauigkeit sehr hoch: Theoretisch könnte eine Ecstasy-Tablette in 40.000 Kubikmeter Abwasser nachgewiesen werden – das entspricht in etwa 250.000 Badewannen. Durch ein kontinuierliches Monitoring von Drogenwirkstoffen im Abwasser lassen sich einfach, kostengünstig, schnell, zeitnah und mit hoher räumlicher und zeitlicher Auflösung Trends und Entwicklungen am Drogenmarkt erkennen. Die erhobenen Daten liefern den Behörden und den politisch Verantwortlichen Entscheidungshilfen, um geeignete Maßnahmen für eine nachhaltige Drogenpolitik ausarbeiten und umsetzen zu können.

© Bullock

Über den/die Forscher*In

Herbert Oberacher, Studienverantwortlicher und Leiter des forensisch-toxikologischen Forschungslabors an der Innsbrucker Gerichtsmedizin. Der Chemiker forscht an der Verbesserung von Analysemethoden, die sowohl in der DNA-Entschlüsselung als auch bei der Aufklärung von Substanzen, wie Drogen oder Medikamenten, angewendet werden. Neben der forensischen Genetik und forensische Toxikologie gehört mittlerweile auch die klinische Forschung zu seinem breiten Portfolio.