Ultraschall-Methode verbessert Gehirnleistung bei Alzheimer

Nach 6-jähriger Entwicklungszeit haben Forscher*innen der Medizinischen Universität Wien eine weltweit neue Therapiemethode für neurologische Erkrankungen entwickelt.

Bei Alzheimer, der Parkinson-Krankheit oder der Multiplen Sklerose sterben ständig Nervenzellen des Gehirns ab, dadurch kommt es unter anderem zu Erinnerungslücken, Sprachstörungen, Stimmungsschwankungen oder reduzierter Bewegungsfähigkeit sowie dem Muskelzittern bei Parkinson.

Roland Beisteiner und sein Team von der Universitätsklinik für Neurologie (Leiter: Thomas Berger) konnten erstmals mit Hilfe von Ultraschall nicht-invasiv alle Bereiche des Gehirns erreichen und jene Nervenzellen aktivieren, die zur Regeneration von Hirnfunktionen beitragen können. Erste international prominent publizierte Daten zeigen nun, dass sich dadurch die Gehirnleistung verbessern lässt. Wien hat damit in einem wichtigen Gesundheitssektor eine internationale Führungsposition übernommen.

Nicht-invasiv Nervenzellen aktivieren

Die neue Methode nennt sich transkranielle Pulsstimulation mit Ultraschall (TPS) und wurde gemeinsam mit dem Schweizer Unternehmen Storz Medical entwickelt. „Die TPS macht es weltweit erstmalig möglich, mit einem Ultraschall-Puls direkt am Schädelknochen, nicht-invasiv, schmerzfrei und bei vollem Bewusstsein in alle Bereiche des Gehirns vorzudringen und dort ganz gezielt Hirn-Areale anzusteuern und diese zu aktivieren“, erklärt Beisteiner.

Die TPS führt zu kurzfristigen Membranveränderungen an den Hirnzellen, wodurch die Konzentration von Transmittern und anderen biochemischen Stoffen lokal verändert wird. Die Konsequenz ist eine Aktivierung von Nervenzellen, einhergehend mit dem Aufbau kompensatorischer Netzwerke, welche die erkrankte Hirnfunktion verbessern. Beisteiner: „Es ist, als ob man einen alten Motor wieder anwirft. Jene Nervenzellen, die noch aktivierbar sind, zeigen danach deutliche Verbesserungen. Dadurch wird der Leistungsabfall gebremst.“

Die Studie war Teil des interuniversitären Clusters von MedUni Wien, Universität Wien und Tecumseh Fitch, welcher über Hirnstimulation versucht, geistige Funktionen von PatientInnen zu verbessern.

© MedUni Wien/Matern

Über den/die Forscher*In

Ao.Univ.-Prof. Priv.-Doz. Dr.med.univ. Roland Beisteiner studierte in Ulm, Freiburg, London und Wien Humanmedizin und Musik. Er ist Facharzt für Neurologie und Psychiatrie und Oberarzt an der Universitätsklinik für Neurologie der MedUni Wien. Beisteiner ist Mitglied in über 20 wissenschaftlichen Fachgesellschaften und erhielt verschiedene Forschungspreise. Im Zentrum seiner Forschungsarbeit stehen die Funktionen des menschlichen Gehirns mit dem Fokus auf bildgebende Verfahren.