Warum sich Läufer häufiger im März verletzen

Wer für einen Marathon trainiert, verletzt sich im Frühjahr häufiger, das ist das zentrale Ergebnis einer Studie der MedUni Wien. Darüber hinaus verletzten sich Frauen noch öfter als Männer. Sehr oft betroffen sind die Kniegelenke. Wichtig ist: Man muss die „goldene Mitte“ in Bezug auf den Laufumfang finden.

Als Grundlage für die Studie sammelten Forscher*innen der MedUni Wien Patient*innendaten vom Orthopädie-Zentrum Innere Stadt. Basierend auf den Diagnosen der Patient*innen konnte man sich ein deutliches Bild der häufigsten Verletzungen und ihrer Zusammenhänge machen. Die Ergebnisse der Studie wurden im Journal of Clinical Medicine veröffentlicht. „Überlastungsverletzungen, die bereits im Winter ihren Ursprung haben, machen sich im März bei einem größeren Laufpensum bemerkbar“, sagt Studienleiter Emir Benca von der Universitätsklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie der MedUni Wien .

Läuferknie“ als häufigste Verletzung

Die häufigste Verletzung der Patient*innen war das umgangssprachlich bezeichnete „Läuferknie“ – das retropatellare Schmerzsyndrom. Diese machten rund 41,2 Prozent der Gesamtergebnisse aus. Danach kamen Blessuren am Fuß- und Sprunggelenk, am Unterschenkel/Achillessehne sowie Hüft- und Beckenbeschwerden. Körperliche Voraussetzungen wie O-Beine oder Wirbelsäulenverkrümmungen hängen signifikant zusammen mit den Verletzungsregionen, fanden die Forscher*innen heraus. Die Ergebnisse der Studie bestätigen auch: Frauen sind tatsächlich anfälliger für Laufverletzungen. Ursachen könnten hormonelle Effekte sein oder anatomische Unterschiede, die die Biomechanik des Laufens beeinflussen.

Stephan Listabarth, professioneller Marathonläufer und Mit-Autor der Studie erklärt, dass eine „goldene Mitte“ beim Laufumfang wichtig ist. „Die meisten Verletzungen sind nicht durch einen isolierten Risikofaktor bedingt, sondern entstehen durch eine Kombination aus Fehlstellungen, bereits vorangegangenen Verletzungen und falschem Trainingspensum. Eine gewisse Mindestbeanspruchung ist nötig, eine zu hohe Trainingsbelastung sollte man vermeiden.“

Forscher Emir Benca
© MedUni Wien/Matern

Über den/die Forscher*In

Emir Benca ist Labordirektor an der Universitätsklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie der MedUni Wien.

Über den/die Forscher*In

Stephan Listabarth ist wissenschaftlicher Projektmitarbeiter an der Klinischen Abteilung für Sozialpsychiatrie der MedUni Wien und professioneller Marathonläufer.