Weniger Lebensmittelverluste nach der Ernte

Wer Obst und Gemüse im Geschäft kauft, denkt selten über dessen Weg von der Ernte in den Laden nach. Gut die Hälfte der Welternte verfault, noch bevor sie verkauft werden kann. Ein Grazer Forschungsteam entwickelte biologische Mittel, um das zu verhindern.

Auch wenn wir uns bemühen passiert es, dass Obst oder Gemüse verdirbt, bevor es im Salat oder in der Pfanne landet. Was wir als Käufer*innen meist nicht wissen ist, dass vieles, was geerntet wird aus ähnlichen Gründen erst gar nicht verkauft werden kann. Schädlinge, Krankheiten und falsche Lagerbedingungen führen dazu, dass fast die Hälfte der Ernten weltweit verfault oder das Erntegut durch zu viel Wasserverlust nicht mehr frisch und appetitlich aussieht noch bevor es in einem Geschäft ankommt. Das bedeutet einen wirtschaftlichen Schaden von vielen Millionen Euro jährlich. Kein Wunder, dass  Produzent*innen oft zu chemischen Schutzmitteln greifen, um ihre Produkte haltbar zu machen. Forscher*innen der Technischen Universität Graz (TU Graz) haben nun in Zusammenarbeit mit dem Austrian Centre of Industrial Biotechnology (acib) und Industriepartner*nnen natürliche Methoden an Äpfeln und Zuckerrüben getestet.

Haltbarkeit von Äpfeln deutlich gesteigert

Gabriele Berg und Birgit Wassermann vom Institut für Umweltbiotechnologie der TU Graz erweiterten die bewährte Behandlung mit Heißwasser. „Wir haben Bio-Äpfel mit zwei der wichtigsten Fäulniserreger infiziert, anschließend mit Heißwasser und in einem weiteren Schritt mit einem von uns entwickelten biologischen ‚Cocktail‘ behandelt. Dadurch konnten wir bei rund 60 Prozent der Äpfel die Nachernte-Krankheitserreger entweder ganz abtöten oder erreichen, dass sie sich nicht so stark ausbreiten“, erklärt Birgit Wassermann. Die Äpfel waren danach um 20 Prozent widerstandsfähiger gegen Lagerfäule als Äpfel, die nur mit der Heißwassermethode behandelt wurden.

Biologischer Pflanzenschutz auch für die Zuckerrübe

Auch den Zuckerrüben hat sich das Team rund um Gabriele Berg gewidmet. Es entwickelte gemeinsam mit Partner*innen aus Industrie und Forschung ein umweltfreundliches Pflanzenschutzmittel. Der Test unter industriellen Bedingungen ergab, dass in Rüben, bei denen das Schutzmittel angewendet wurde, auch nach der Lagerung noch mehr Zucker vorhanden war als in unbehandelten. Außerdem entstand in dem Projekt ein Untersuchungsverfahren, das schon vor der Rübenernte zeigt, welche Rüben von welchen Feldern besonders anfällig für Lagerfäulnis sind und deshalb schnell verarbeitet werden müssen.

Dieses Forschungsgebiet ist im Field of Expertise „Human & Biotechnology“ verankert, einem von fünf strategischen Forschungsschwerpunkten der TU Graz.

© Lunghammer TU Graz

Über den/die Forscher*In

Gabriele Berg ist eine, Biotechnologin und Hochschullehrerin für Umweltbiotechnologie an der TU Graz. Sie forscht seit rund 25 Jahren am Mikrobiom – einer Gemeinschaft von Bakterien, Pilzen und anderen kleinsten Lebewesen, die für die Gesundheit von Pflanzen und Menschen verantwortlich sind.