Wetter im Wandel

Das WegenerNet der Universität Graz liefert mit dem weltweit dichtesten Netz an Messstationen detaillierte Informationen über langfristige regionale Klimaentwicklungen.

Mit dem WegenerNet hat das Wegener Center für Klima und Globalen Wandel der Universität Graz 2007 ein international einzigartiges Langzeitprojekt gestartet: Über 150 Messstationen in der südoststeirischen Region Feldbach, die jeweils maximal zwei Kilometer voneinander entfernt sind, zeichnen im Fünf-Minuten-Takt Daten zu Temperatur, Niederschlag und weiteren wichtigen Klimagrößen auf. Diese von keinem anderen Stationsnetz weltweit erreichte räumliche und zeitliche Dichte macht das Projekt nicht nur für die Region, sondern auch für die internationale Forschung zur Verbesserung von Klimamodellen und zur Analyse von Klimafolgen besonders bedeutungsvoll.

Regionales Risiko abschätzen

Auf Basis der Daten aus dem WegenerNet werden langfristige Entwicklungen in Bezug auf Extremwetterereignisse erforscht. Modelle machen die Zusammenhänge zwischen Erwärmung, Intensität und Struktur der Starkniederschläge, Verwundbarkeit eines Gebietes und dem finanziellen Schadensausmaß deutlich. In der Südoststeiermark ist es in den letzten 45 Jahren im Sommer um drei Grad wärmer geworden. „Es zeigt sich, dass mit jedem Grad Temperaturanstieg die Regenmenge von kurzfristigen Starkniederschlägen um rund zehn Prozent zunimmt“, berichtet Klimaforscher Gottfried Kirchengast, Initiator des WegenerNet. Die Modellierungen erlauben eine verbesserte Risiko-Abschätzung sowie die Entwicklung sinnvoller Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel.


Beitrag über das WegenerNet in der Sendung „Steiermark Heute“ im Rahmen der Medienkooperation „Wissenswert“ der Steirischen Hochschulkonferenz mit dem ORF

Internationaler Forschungspartner

Neue Möglichkeiten eröffnet das WegenerNet auch der internationalen Klimaforschung. Durch die dichte Anordnung der Messstationen – andere Netze haben eine Auflösung von typischerweise zehn bis fünfzig Kilometer – können klimatologische Effekte für konkrete lokale Lebensräume realistischer berücksichtigt und damit Klimamodelle verbessert werden. „Das WegenerNet erfüllt die Funktion einer Forschungslabor-Region, mit deren Daten wir Modellen beibringen, wie sie die Verwundbarkeit auch von anderen Gebieten zutreffender abschätzen können“, erklärt Kirchengast.

Seit 2013 gehört das WegenerNet zum europäischen Langzeit-Umweltforschungsnetzwerk LTER (Long Term Ecosystem Research), und seit 2015 ist es auch Partner der NASA. Im Jahr 2020 starten innovative Erweiterungen, unter anderem ein 3D-Niederschlagsradar und -Radiometer, die das WegenerNet nochmals substanziell vom 2D-Klimastationsnetz zu einem 3D-Freiluftlabor für Wetter- und Klimaforschung aufwerten.

Das Datenportal des WegenerNet ist allgemein zugänglich – www.wegenernet.org

© Uni Graz/Kernasenko

Über den/die Forscher*In

Klimaphysiker Univ.-Prof. Dr. Gottfried Kirchengast ist an der Universität Graz Sprecher des Profilbereichs Climate Change Graz und leitet die Forschungsgruppe Atmosphärenfernerkundung und Klimasystem. In diesem Bereich zählt er zu den führenden ForscherInnen weltweit. Ziel seiner Arbeit ist, besonders hochwertige, genaue Klimadaten zu gewinnen, um zuverlässige Aussagen zum Klimawandel treffen zu können. In Bezug auf kleinräumige Veränderungen leistet das WegenerNet hier einen wichtigen Beitrag.
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