Wie Geflüchtete in Betriebe integriert werden können

Ein kompakter Leitfaden für Arbeitgeber*innen fördert die Integration von Schutzberechtigten in Betrieben.

Gerade in Mangelberufen setzen zahlreiche Betriebe auf Schutzberechtigte als Mitarbeiter*innen. Sprachbarrieren oder falsche Erwartungen hemmen allerdings immer wieder die Integration. Renate Ortlieb vom Institut für Personalpolitik der Universität Graz hat nun einen kompakten, übersichtlichen Praxis-Leitfaden für Arbeitgeber*innen herausgegeben, der solche Hürden aus dem Weg räumen und die Vorteile kultureller Vielfalt verdeutlichen soll.

„Eine Vertrauensperson, die im Team vermitteln kann, das Arbeiten Schulter an Schulter und Lern-Listen, die regelmäßig den Fortschritt dokumentieren, sind drei einfache und sehr effiziente Maßnahmen“, fasst Ortlieb zusammen. Pat*innen oder Mentor*innen, die für wechselseitiges Verständnis sorgen, tragen wesentlich dazu bei, dass sich Mitarbeiter*innen aus anderen Kulturkreisen gut eingliedern können. Unter den Fittichen von Kolleg*innen in mehrere Bereiche des Betriebes hineinzuschnuppern, fördert die Sprachkenntnisse, das Wissen um das Unternehmen sowie den sozialen Zusammenhalt. Und mit strukturierten Listen und Gesprächen werden Erwartungen definiert und Missverständnisses frühzeitig ausgeräumt.

Ein Leitfaden

Der Ratgeber „Geflüchtete im Betrieb: So gelingt Integration“ enthält kompakte Tipps und Beispiele aus der Praxis und zielt auf die optimale Zusammenarbeit und Kompetenzentfaltung aller Mitarbeiter*innen ab. Der Publikation liegen ausführliche Studien zugrunde. In den von der Österreichischen Nationalbank bzw. dem Land Steiermark geförderten Projekten LAMIRA (Labour Market Integration of Refugees in Austria – Arbeitsmarktintegration von geflüchteten Menschen in Österreich) und INREST (Integration of Refugees in Styrian Companies – Integration von Geflüchteten in steirische Betriebe) hat Ortlieb mit ihrem Team unter anderem untersucht, welche Arbeitsbedingungen Schutzberechtigte vorfinden, wie sie ihre Kompetenzen nutzen können und wie gut sie sozial eingegliedert sind. „Wichtig wäre, dass Kolleg*innen und Vorgesetzte das Anderssein der geflüchteten Mitarbeiter*innen anerkennen und die Vielfalt wertschätzen. Das verringert generell das Konfliktpotenzial im Unternehmen, auch unter Einheimischen“, betont die Wissenschafterin.

Professorin Renate Ortlieb
© Die Hoffotografen GmbH Berlin

Über den/die Forscher*In

Renate Ortlieb ist seit 2009 Professorin für Personal und Leiterin des Instituts für Personalpolitik an der Universität Graz. Sie beschäftigt sich unter anderem mit der Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten, den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf Betriebe, Macht- und Geschlechterverhältnissen in Organisationen sowie Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft.