Zöliakie: Wenn der Darm rebelliert

Almuthe Hauer von der Medizinischen Universität Graz weist auf die Zöliakie hin. Bei der Krankheit kommt es zu einer dauerhaften Entzündung im Dünndarm.

Die Zöliakie ist eine Erkrankung, bei der es durch eine Reaktion des Immunsystems zu einer dauerhaften Entzündung im Dünndarm kommt. Rund ein Prozent der Bevölkerung leidet unter dieser Krankheit und muss die Ernährung dementsprechend anpassen. Almuthe Hauer von der Medizinischen Universität Graz weist auf die oft unentdeckte Krankheit hin.

Gluten als Feind

Bei der Zöliakie wird der Darm nach dem Verzehr von Gluten Opfer einer Reaktion des Immunsystems. Gluten – auch Klebereiweiß genannt – ist vor allem in den Samen vieler Getreidearten vorhanden und gelangt somit auch in Brot, Mehl und sogar Bier. Bei der Zöliakie ist hauptsächlich der Dünndarm entzündet, was zum Teil schwere gesundheitliche Folgen haben kann. Zu den Symptomen gehören Müdigkeit, Durchfall, Übelkeit, Gewichtsverlust oder im Kindesalter auch Wachstumsstörungen. Die Veranlagung für die Zöliakie bleibt ein Leben lang bestehen – durch eine Ernährungsweise, bei der auf Gluten gänzlich verzichtet wird, sind Betroffene allerdings nicht mehr krank.

Mehr Aufklärung und Information

Mit dem Projekt „CD SKILLS“ (CD = „celiac disease“, englisch für Zöliakie), das von der Europäischen Union gefördert wird, wollen Forschungsinstitutionen in allen Ländern entlang der Donau für mehr Aufmerksamkeit für die Krankheit sorgen. Oft bleibt die Krankheit unerkannt und kann so schwere Schäden im Körper der Betroffenen anrichten. Von starken Bauchschmerzen über Anämie (Blutarmut) bis hin zu Knochenbrüchen aufgrund von Osteoporose reichen die Folgen der Erkrankung. Unbehandelt kann die Zöliakie auch das Risiko für bestimmte Krebsarten erhöhen.

Ernährung als Schlüssel

Um die Zöliakie, ihre Symptome und Folgen in den Griff zu bekommen, müssen sich Betroffene in ihrer Ernährung einschränken. Zahlreiche Getreide-Produkte, darunter auch Nudeln, Brot und viele andere sind für Zöliakie-Erkrankte tabu. Zum Glück werden immer mehr dieser Erzeugnisse mit Gluten-freien Varianten angeboten, sodass Betroffene wieder mehr genießen können. Um die besonderen Ernährungsbedürfnisse decken zu können, wird in Österreich an Zöliakie erkrankten Kindern erhöhte Familienbeihilfe gewährt, um die oft teureren Produkte kaufen zu können. Eine ärztliche Begleitung ist vor allem in der ersten Zeit nach der Diagnose der Krankheit unerlässlich, um mögliche Nährstoffmängel mit den passenden Ergänzungsmitteln auszugleichen.

Frau Hauer Almuthe
© Sissi Furgler

Über den/die Forscher*In

Almuthe Hauer leitet die ÖÄK-Ausbildungsstätte und das GPGE-zertifizierte Weiterbildungszentrum für Pädiatrische Gastroenterologie, Hepatologie und Ernährung an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde der Med Uni Graz, wo sie sich vor allem der Behandlung und Therapie von Kindern und Jugendlichen mit Magen-Darm- bzw. Lebererkrankungen widmet.